ZEIT-Edition »Nahaufnahme«
59 Bewertungen Ein Jahrhundert deutscher Geschichtein nie gezeigten Filmdokumenten
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Eine zeitgeschichtliche DVD-Edition der ZEIT
Das historische Deutschland ist durch geschichtliche Dokumentationen im Fernsehen ständig präsent. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit des »Dritten Reichs«. Allerdings ähneln sich die Filme sehr, da fast ausschließlich die immer gleichen Sequenzen aus Wochenschauen und Propagandafilmen gezeigt werden. Die Zeit vor dem »Dritten Reich« wird fast gänzlich ausgespart. Und selbst für die Zeit nach 1945 werden inzwischen hinlänglich bekannte Szenen benutzt: angefangen von Ernst Reuters Berliner Rede von 1948 − »Schaut auf diese Stadt« − bis zu John F. Kennedy im Jahre 1963 vor dem Schöneberger Rathaus: »Ich bin ein Berliner«.
Wie aber sah das Leben in Deutschland jenseits der offiziellen Filmberichterstattung und abseits von Berlin aus?
In der neuen ZEIT-Edition »Nahaufnahme« wird ein gänzlich anderer Blick auf das historische Deutschland ermöglicht: eine Zeitreise mit bislang unbekannten Filmszenen. Dieses historische Material stammt aus dem Bestand des Archivs »Filmkontor« des Historikers und Filmemachers Joachim Castan. Dabei handelt es sich um eines der größten Archive privaten Filmmaterials in Deutschland. Die Filme aus diesem Archiv wirken unmittelbar, da sie weder als Propaganda produziert noch durch politische Absichten manipuliert sind.
Gezeigt werden deutsche Zeitgeschichte, Kulturgeschichte und Alltagsgeschichte aus der Sicht von Filmamateuren. Vieles davon liegt in so brillanter technischer Qualität vor, dass man den Eindruck hat, als ob professionelle Kameraleute am Werk waren. Typisch sind die Szenen von Amateuren, die ihre Kinder aufnehmen − ungewöhnlich aber, wenn die gefilmten Mütter Kleider aus der Gründerzeit und die Kinder Matrosenkleider tragen. Faszinierend ist es, die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Städte wie Hamburg, Nürnberg, Würzburg, Berlin, Potsdam, Breslau, Danzig und Königsberg noch völlig intakt zu sehen. Insbesondere für Nürnberg, Würzburg, Breslau und Königsberg existieren Filme, die das unzerstörte mittelalterliche Stadtbild zeigen, das sich über die Jahrhunderte kaum verändert hat und nur wenige Jahre später im Bombenhagel der Alliierten in Flammen aufgehen wird.
Deutschland in ungewohnten und bisher unveröffentlichten Bildern
Ungewöhnlich ist es, die Farbaufnahmen von Städten wie Hamburg, Berlin und Potsdam zu sehen − allesamt im unzerstörten Zustand vor dem Krieg. Erschreckend direkt sind die Szenen des ausgebrannten Dresdner Schlosses und der Ruine der Frauenkirche im Sommer 1945, ebenfalls in Farbe und ebenfalls bislang unveröffentlicht. Faszinierend sind aber auch die Einblicke in den Alltag, die in dieser Edition festgehalten sind, seien es Bilder aus der NS-Zeit oder auch Szenen aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg − sowohl im Wirtschaftswunderland BRD als auch in der sozialistischen DDR.
Ab und an ist auch politische oder kulturelle Prominenz in diesen Filmen zu erkennen: Sei es Reichspräsident Hindenburg bei Paraden, der im »Führermercedes« vorbeirauschende Hitler, Rudolf Heß auf dem Hamburger Seefahrertag, der naseputzende Hitler auf einer NS-Ordensburg, General Clay 1946 in Berlin, John F. Kennedy auf dem Weg zu seiner großen Berliner Rede, Romy Schneider und Jean-Paul Belmondo bei Filmpremieren, Helmut Schmidt und Willy Brandt aus nächster Nähe mit Parteifreunden, Franz Josef Strauß bei einer Hochzeit oder Richard von Weizsäcker, Helmut Kohl und Willy Brandt vor dem Reichstag in der Nacht der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Aber selbst hier wirken diese Aufnahmen eher beiläufig und daher gänzlich ungewohnt. Zum Teil kamen dabei ganz normale Amateurfilmer erstaunlich nah an die jeweilige Prominenz heran.
Dennoch steht die Prominenz nicht im Fokus dieses Projektes. Doch gerade so rückt die ZEIT-Edition »Nahaufnahme. Ein Jahrhundert deutscher Geschichte in nie gezeigten Filmdokumenten« unsere Geschichte in ein neues Licht: Nicht das Große oder Populäre, sondern das Alltägliche steht im Mittelpunkt dieser DVD-Edition. Sie zeigt das private Deutschland des 20. Jahrhunderts und erzählt Geschichte, die nicht nur geschrieben, sondern auch erlebt wurde.
Kundenbewertungen
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Geschichte live
Mich begeistert schon die Idee, private Filme zu einer Live-Geschichtsbetrachtung zusammenzufügen. Der Titel "Nahaufnahme" spricht für sich. Näher als mit bewegten Bildern kommt man an die Vergangenheit nicht heran.
Reinhild Berger, Münchingen, 28. Dezember 2012
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Begeisternd
Neben den vielen "historisch korrekten" filmischen Wiedergaben des letzten Jahrhunderts hat diese Aufzeichnung den einzigartigen Wert des persönlichen Erlebnisses und damit der Authentizität. Unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt, wurde die Kassette gleich ein weiteres Mal bestellt für einen "anderen" Vater. Ein großes Danke an alle "Spender" des Materials!
Edi, 27. Dezember 2012
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Filmschatz zur deutschen Geschichte, das Sehgewohnheiten ändert,
Als das Paket „Nahaufnahme" ankam - dachte ich zunächst - ein mächtiger Brocken! Ein umfangreiches Begleitbuch und 8 DVDs mit fast 8 Stunden Laufzeit. Nacheinander habe ich mir dann die DVD's angesehen und gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht. Durch die Beilage in der ZEIT angesprochen, hatte ich das Filmpaket bestellt. Ich kann sagen, die Werbung der ZEIT verspricht nicht zuviel. Noch nie gesehene Aufnahmen und - so finde ich - ein völlig neuer Blick auf die deutsche Geschichte. Faszinierend waren für mich besonders die erstaunlich vielen Farbaufnahmen aus dem „Dritten Reich". Unbekannte Szenen mit Hitler - teilweise sogar aus nächster Nähe. Erst wenn man diese privaten Gegenspiegelungen sieht, merkt man, wie wirkungsmächtig die Leni Riefenstahl und Wochenschau Aufnahmen sind. Die Szenen über die junge BRD in der Nachkriegszeit - westdeutsche Städte nach 1951 in totalen Trümmern und alles in Farbe - ebenfalls noch nie in dieser Eindringlichkeit gesehen. Dann die Sechziger, Siebziger und Achtziger - aus dieser Perspektive sehr interessant. Einiges davon hat man tatsächlich so selbst erlebt. Für mich waren die Bilder aus der DDR sehr faszinierend, da zum Teil eine völlig unbekannte Welt. Die DDR jenseits von grauer Einheitsgesellschaft und Massenaufmärschen. Statt dessen ein Mittelstand, der sein Leben genießt, wie die Wirtschaftswundergeschwister im Westen. Mir haben die kluge und abgewogenen Kommentar, teilweise mit feiner Ironie gespickt, sehr gut gefallen. Hierzu passt die Musikuntermalung perfekt. Ein Filmschatz zur deutschen Geschichte, der Sehgewohnheiten ändert. Meiner Meinung nach absolut empfehlenswert!
J. Jürgens, Bremen, 14. Dezember 2012


