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ZEIT-Edition »Weltliteratur«

Exklusiv für die Zeit

ZEIT-Edition »Weltliteratur«

15 bewegende Schicksale in einer ZEIT-Edition

 
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ZEIT-Edition »Weltliteratur«

15 Große Helden der Weltliteratur in einer ZEIT-Edition

Ob Anna Karenina, Oliver Twist oder Jay Gatsby – ihre Liebe, ihre Verzweiflung, ihre Kämpfe und ihr Schicksal sind von zeitloser Natur und berühren uns bis heute. DIE ZEIT hat in einer hochwertigen Edition 15 der bedeutendsten Literaturklassiker neu aufgelegt und stellt Ihnen damit die berühmtesten Romanhelden vom 17. bis zum 20. Jahrhundert vor.

Aktuelle Übersetzungen sorgen für einen neuen Zugang zu den Klassikern und für ein besonderes Lese-Erlebnis. Entdecken Sie 15 bedeutende literarische Werke neu!

Das besondere ZEIT-Extra: Jeder Titel beinhaltet ein persönliches Nachwort eines ZEIT-Redakteurs, der seine ganz persönliche Leseerfahrung mit dem jeweiligen Roman schildert.

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Vorteile unserer Edition

 
Einzigartig: Berühmte Figuren der Weltliteratur vereint in einer edlen Klassiker-Edition
 
Zeitgemäß: In aktuellen und ausgezeichneten Übersetzungen, für ein neues Lese-Erlebnis
 
Persönlich: Mit Nachworten renommierter ZEIT-Redakteure, die ihre ganz eigene Beziehung zum Werk schildern
 
Hochwertig: 15 aufwendig gestaltete Hardcover-Bücher mit Halbleinen-Einband und Lesebändchen
 
Sensationeller Preis: Sie erhalten die 15 Klassiker für 99,95 € – das sind nur 6,66 € pro Band!

Die Edition im Detail

Miguel de Cervantes: Don Quijote von der Mancha

Miguel de Cervantes: Don Quijote von der Mancha

Mit einem persönlichen Nachwort von Matthias Krupa
Herausgegeben und übersetzt von Susanne Lange
In neuer Übersetzung von 2008

Cervantes hat mit »Don Quijote« (1605/1615) nicht nur eines der komischsten und opulentesten Meisterwerke der Literatur geschaffen, sondern auch den ersten modernen Roman. Der Titelheld, ein verarmter Landadeliger, hat derart viel über mittelalterliche Ritter gelesen, dass er sich einbildet, selbst einer zu sein. Gemeinsam mit seinem bauernschlauen Knappen Sancho Panza beginnt er einen idealistischen Feldzug gegen Windmühlen und andere Widrigkeiten der Realität.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Matthias Krupa

»Es gibt Bücher, die kennt man, lange bevor man sie überhaupt gelesen hat. Oder besser: Man glaubt sie zu kennen, weil man ihren Hauptfiguren schon früh begegnet ist. Manchmal sogar schon im Kindergarten. Don Quijote gehört dazu, genauso wie Robinson Crusoe oder auch der – vermeintliche – Riese Gulliver. Alle drei sind literarische Figuren, die sich im Laufe der Jahrhunderte selbstständig gemacht und so ein zweites Leben begonnen haben. Ein Leben als Kinderzimmerheld, festgehalten in zahllosen Bilderbüchern, Comics oder Zeichentrickfilmen.

Ich erinnere mich noch genau an den weißen Buchumschlag mit der bunten Zeichnung, die meinen ersten Don Quijote zierte. Wie alt mag ich gewesen sein? Sieben oder acht Jahre vielleicht. Leider gibt es dieses Buch nicht mehr, obwohl ich manches andere aus dieser Zeit aufgehoben habe und heute mit meinen eigenen Kindern lese.

Don Quijote, das ist der Ritter, der auf einem alten, klapprigen Gaul gegen Windmühlen anreitet. Jeder kennt dieses Bild, auch wenn er den Roman selbst nie in den Händen gehalten hat. Wahrscheinlich ist es auch dieses eine, einfache Bild, das es erlaubt hat, aus Miguel de Cervantes’ anspruchsvollem und voraussetzungsreichem Werk ein Buch für Kinder zu machen, sogar einen Comicstrip. Dabei ist der Kampf gegen die Windmühlen, den jeder kennt, eines der kürzesten Abenteuer, die der ›geistvolle Hidalgo Don Quijote von der Mancha‹ im Laufe des viele hundert Seiten langen Romans erlebt. […]«

Daniel Defoe: Robinson Crusoe

Daniel Defoe: Robinson Crusoe

Mit einem persönlichen Nachwort von Hella Kemper
Übersetzt von Martin Schoske
In jüngster Übersetzung von 1995

Als Robinson Crusoe nach einem Schiffbruch auf einer einsamen Insel strandet, beginnt ein Überlebenskampf, der genau achtundzwanzig Jahre, zwei Monate und neunzehn Tage dauern wird. Durch seinen als fiktives Tagebuch getarnten Roman aus dem Jahr 1719 wurde Daniel Defoe weltberühmt. Die großen Themen der Aufklärung wie Natur, Zivilisation, Religion und Fortschritt verbinden sich in diesem Werk zu einer der mitreißendsten Abenteuergeschichten der Weltliteratur.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Hella Kemper
»Ich wohne an der Elbe und sehe viele Schiffe hin und her fahren. Rein in den Hafen, raus aus dem Hafen. Lotse an Bord, Lotse von Bord. So geht das, Tag für Tag, und es scheint nie aufzuhören. Manchmal stehen viele Menschen am Ufer und grüßen ein Passagierschiff, ein Kreuzfahrtschiff, winken oder schwenken ein weißes Tuch. Für die Pötte mit den Stahlboxen, die die Elbe rauf- und runterfahren, kommt kaum jemand ans Ufer, nur die Shipspotter, wenn es etwas Außergewöhnliches zu fotografieren gibt, zum Beispiel besonders viele Container auf einem besonders großen Schiff.

Ich schaue gern auf die Elbe, auf die fahrenden Schiffe, und stelle mir vor, wie hoffnungsvoll Robinson Crusoe Tag für Tag gen Horizont geblickt haben muss, um Mast und Segel – ein Schiff, das ihn von seiner Insel holt – auszumachen. Ich habe lange ignoriert, dass mir die Seefahrt nicht bekommt. Wollte auch Abenteuer auf den Ozeanen bestehen. So wie Robinson, der gegen den elterlichen Willen zur See fuhr. Meinen persönlichen Schiffbruch erlebte ich in Galicien, im Nordwesten Spaniens. Für eine Reisereportage hatte ich einen Fischer überredet, mich auf den nächtlichen Fischfang mitzunehmen. Der Wind fegte hart übers Wasser und türmte mannshohe Berge auf. Ich hielt den Horizont fest im Blick, atmete tief ein und aus. Um es kurz zu machen: Die Fahrt wurde ein Höllenritt. Wenige Minuten nach dem Ablegen fütterte ich die Fische und lag dann in der Kapitänskoje, in der es fürchterlich stank. Ich roch sicherlich auch nicht nach Lavendel. Als es Robinson auf seiner Insel am schlechtesten ging, fand er in der Krisis zu Gott. Der galicische Himmel jedoch hatte kein Einsehen mit mir.

Im Gegensatz zu mir erlebte Robinson einen handfesten Schiffbruch und rettete sich auf ein einsames Eiland nahe der Mündung des Orinocos, wo er dann 28 Jahre seines Lebens verbrachte. So erzählt es der Roman von Daniel Defoe, der 1719 erschien und als einer der frühesten Romane der englischen Literaturgeschichte gilt. […]«

Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre

Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre

Mit einem persönlichen Nachwort von Angelika Dietrich

Dem Selbstfindungsprozess eines jungen Menschen, wie Goethe ihn in seinem großen Bildungsroman von 1795/96 nachzeichnet, haftet eine unverwüstliche Modernität an: Der behütet aufgewachsene Kaufmannssohn Wilhelm Meister geht in die Welt hinaus. Er schließt sich einer Theatertruppe an und verliebt sich; er wird desillusioniert, scheitert und verzagt dennoch nicht, sondern lernt, was es über sich selbst und das Leben zu wissen gilt.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Angelika Dietrich
»Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?

Es war das Lied der Mignon, das den Auftakt machte, damals im Germanistik-Seminar über deutschsprachige Autoren in Italien. Es hat mich berührt wie keines der anderen Gedichte, die wir danach noch lasen und analysierten, und weckte in wenigen Worten die Sehnsucht. Es war Frühling, die Uni hatte gerade wieder begonnen, bald würde die Luft nach Sommer riechen, und wir würden uns ein Semester lang mit der Italiensehnsucht der deutschen Dichter befassen, in München, ebenjener Stadt, die manche die nördlichste Italiens nennen. Wir notierten die Merkmale der arkadischen Landschaft: Zitruspflanzen, die blühen und gleichzeitig Frucht tragen. Myrte, das Symbol der Liebe. Lorbeer, Symbol der Dichtung. Dazu: schönes Wetter, sanfte Landschaft. Zeilen, die Erinnerungen weckten an die eigene italienische Bildungsreise, die nur wenige Monate vor dem Seminar stattgefunden hatte.

Goethe hat seine Italienreise noch vor sich, als er 1783 das Lied der Mignon schreibt. Erst im September 1786 reist er, 37-jährig, unter dem Pseudonym Philipp Möller gen Süden, gibt sich als Maler aus. Er will raus aus Weimar, dem Dienst als Verwaltungsbeamter am Hofe Carl Augusts und der dortigen Gesellschaft eine Weile entfliehen. Von Trient über Verona, Venedig, Perugia, Rom bis nach Neapel und Palermo zurück über Siena, Florenz und Mailand führt ihn die Route. In den meisten Städten bleibt er nur ein, zwei Tage. Vor allem in Neapel und Florenz hält er sich länger auf, in Rom lebt er insgesamt fast ein Jahr. Erst nach knapp zwei Jahren, im Sommer 1788, kehrt er nach Weimar zurück. […]«

Charles Dickens: Oliver Twist

Charles Dickens: Oliver Twist

Mit einem persönlichen Nachwort von Katrin Hörnlein
Übersetzt von Axel Monte
In neuer Übersetzung von 2011

In seiner 1837 bis 1839 als Fortsetzungsroman erschienenen Geschichte eines englischen Waisenjungen, der, umgeben von Armut und Laster, seine kindliche Unschuld bewahrt, prangert Charles Dickens die Kehrseite des Wohlstands im Zeitalter der Industrialisierung an: Kinderarbeit, Massenverelendung und Jugendkriminalität. Den sozialkritischen Blick auf seine Epoche verbindet Dickens in »Oliver Twist« mit zeitlos skurrilem Humor und spannungsgeladener Melodramatik.

Leseprobe des Nachworts:
ein persönliches Nachwort von Katrin Hörnlein
»Da ist dieser kleine Junge, für den das Leben nur Schreckliches bereithält: Die Mutter bei der Geburt gestorben, der Vater unbekannt, wächst er im Armenhaus auf, wo er gerade genug Essen bekommt, um zu überleben. Als er bei einem Bestatter in die Lehre geschickt wird, muss er zwischen Särgen schlafen und wird von dem zweiten Lehrjungen, dem Küchenmädchen und der Frau seines Herrn schikaniert und geschlagen. Nur Härte und Unrecht erfährt der Junge in seinen ersten Jahren. Kein freundliches Wort der Unterstützung oder Anteilnahme, auch nicht, wenn die Tränen sich immer wieder Bahn brechen: »Ich bin doch bloß ein kleiner Junge, Sir, und so … so … . So allein, Sir. So ganz allein!«

Wahrlich kein wünschenswertes Leben, und doch habe ich Oliver Twist als Kind beneidet. Denn nachdem der Junge seinem Lehrmeister entflohen ist und sich zu Fuß nach London durchgeschlagen hat, gerät er an eine Bande junger Diebe, die bei dem alten, kauzigen Hehler Fagin lebt. Hier trifft Oliver erstmals auf Menschen, die sich seiner annehmen, ihm zu essen und ein Zuhause geben, wo er Gemeinschaft erlebt. Und welch fröhliche Abende die Jungen in ihrem Versteck beim alten Fagin verbringen! Als sei es ein bloßes Spiel, trainieren sie das Handwerk des Taschendiebstahls, indem der Alte, einen vornehmen Herrn parodierend, im Zimmer auf und ab wandert, während die Jungen ihm geschickt und trickreich Schnupftuch, Taschenuhr samt Kette und Brieftasche entwenden. Oliver ahnt nicht, dass die Bande ihren Lebensunterhalt durch Verbrechen bestreitet, und ist erstmals ganz gelöst und unbeschwert.

An diese Szene erinnerte ich mich lange Zeit als Erstes, wenn ich an Oliver Twist dachte; sie war mir am deutlichsten aus einer Filmfassung und einer für junge Leser stark gekürzten Romanfassung im Kopf geblieben. […]«

Gustave Flaubert: Madame Bovary

Gustave Flaubert: Madame Bovary

Gustave Flaubert: Madame Bovary
Mit einem persönlichen Nachwort von Elisabeth von Thadden
Übersetzt von Ilse Perker und Ernst Sander

Mit erbarmungslosem Röntgenblick durchleuchtet Flaubert die Gefühlswelt einer jungen Frau, die ihre romantischen Wunschträume mit selbstzerstörerischer Leidenschaft und Konsumfreude zu verwirklichen sucht. Die sprachliche Genauigkeit, die feine Ironie und die klischeefreie Darstellung ließen seinen 1857 erschienenen Romanerstling zum unerreichten Meisterwerk realistischen Erzählens werden und die Titelheldin zu einer der faszinierendsten Ehebrecherinnen der Weltliteratur.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Elisabeth von Thadden
»Es geht nicht gut los. Auf das Allerschlimmste muss sich jeder Leser dieses Romans gefasst machen, der die Sache mit der Mütze nicht übersieht und überliest: der Mütze des etwa 15-jährigen Charles Bovary, eines ungelenken, hochgewachsenen Jungen vom Lande, mit dessen Eintreten in den Klassenraum während des Unterrichts ein Roman beginnt, der Hunderte Seiten später mitleidlos tödlich enden wird. Er endet mit dem grässlichen Todeskampf einer jungen Frau namens Emma, die Arsen nahm, um sich aus der Überschul¬dung zu befreien, in die sie geriet, weil sie es sich zu viel kosten ließ, ihren Mann zu betrügen: ihren Mann Charles Bovary, den Land¬arzt, der sie so langweilte, dass in seiner Frau Emma Bovary die vielleicht prägendste Eigenschaft des modernen Menschen erkenn¬bar wird, die Enttäuschung von Erwartungen, mit denen die Realität nicht übereinkommen will.

Der Roman Emma Bovary von Gustave Flaubert, erschienen 1857, nachdem er der Zensur zunächst allzu unsittlich vorkam, trägt den Namen der Enttäuschten und nicht den ihres Mannes Charles, der in den Augen seiner Frau nichts Besonderes ist, und also für die anspruchsvolle Moderne mit ihren ständigen Überbietungen an Besonderheit, Neuheit, Einzigartigkeit nicht hinreichend qualifi¬ziert. Er ist nicht gut genug für eine Frau, die sich erst mit Fantasi-en, dann mit Ehebrüchen über Wasser hält, um ihrer Existenz etwas mehr an Reizen abzugewinnen, als sie ihr das langweilige Leben als dörfliche Arztgattin bietet. Ein paar Jahrzehnte später hätte sie selbst Ärztin werden können und alle Fantasien und Sehnsüchte einer Realitätsprüfung unterziehen. Doch um 1850 muss noch der Mann alles bieten, was den sozialen Aufstieg, den Aufbruch ins Un¬endliche und Erhoffte ermöglichen würde. Auf dem Totenbett erst wird Emma ein großes Wort über ihren Mann sagen: ›Du bist gut.‹«

Fjodor Dostojewskij: Verbrechen und Strafe

Fjodor Dostojewskij: Verbrechen und Strafe

Auch bekannt unter dem Titel »Schuld und Sühne«
Mit einem persönlichen Nachwort von Peter Kümmel
Übersetzt von Swetlana Geier
Neuübersetzung von »Schuld und Sühne« von 1994

Der mittellose Student Raskolnikoff begeht einen Doppelmord aus weltanschaulicher Überzeugung. Nach der Tat tritt die Stimme des Gewissens an die Stelle der ideologischen Argumente. Der Mörder sehnt sich nach Strafe. In seinem Roman von 1866 verbindet Dostojewskij atemberaubende Spannung mit psychologischem Scharfblick und moralphilosophischer Reflexion - und liefert ganz nebenbei eine brillante Milieustudie zum Petersburger Leben Mitte des 19. Jahrhunderts.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Peter Kümmel
»Das ist die alles durchdringende Szene des Romans: ›… (D)ie Mieter, einer nach dem andern, drängten wieder zur Tür zurück, mit jener seltsamen tiefen Genugtuung, die sich stets, sogar an den vertrautesten Menschen, beobachten läßt, sobald das Unglück ihren Nächsten getroffen hat, und von ihr ist keiner frei, ausnahmslos keiner, sogar bei noch so aufrichtigen Gefühlen von Mitleid und Anteilnahme.‹

In dieser Szene blickt man hinter die Mauern von St. Petersburg, ja man könnte sagen: In ihr ist, hinter durchsichtigen Kulissen, die ganze Menschheit nackt. Die Szene stammt aus Dostojewskijs Verbrechen und Strafe (1866). Wir erleben einen öffentlichen Tod. Die Bewohner eines Mietshauses sehen dem Trinker Marmeladow, der von einer Pferdekutsche überrollt worden ist, beim Sterben zu. Sie können sich nicht sattsehen. Aus dem Treppenhaus drängen sie herein, ein Theaterpublikum. Das Zimmer Marmeladows, so Dostojewskij, ist mit Gaffern derart überfüllt, ›daß kein Apfel mehr zu Boden hätte fallen können‹.

Man denkt, wenn man das liest, an die großen Sterbeszenen des Theaters. Auf der Bühne stürzt ein einsamer Mensch, und im vollen Saal hätte kein Apfel zur Erde fallen können. Auf der Bühne liegt einer in seinem Blut, und im Parkett herrscht Hochstimmung. Mich hat die Szene immer beschämt: Ich stehe selbst an Marmeladows Bett.

Warum fühlt man sich so schamvoll lebendig, wenn man Dostojewskij liest? Weil man eine Doppelrolle spielt. Einerseits ist man ein Gaffer, der sich tief in sein Versteck zurückgezogen hat und fremdes Leid anschaut. […]«

Leo Tolstoi: Anna Karenina

Leo Tolstoi: Anna Karenina

Mit einem persönlichen Nachwort von Christian Staas
Übersetzt von Herman Asemissen

Anna Karenina ist jung, schön, lebenshungrig und fühlt sich in einer freudlosen Ehe gefangen. Als sie dem charismatischen Grafen Wronski begegnet, stürzt sie sich in eine kompromisslose Amour fou, die sie ihr gesellschaftliches Ansehen, ihren Seelenfrieden und schließlich das Leben kostet. Die Passionsgeschichte seiner unvergesslichen Heldin weitet Tolstoi in seinem großen Schicksalsroman von 1878 zu einem künstlerisch vollendeten Gesellschaftspanorama des zaristischen Russland aus.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Christian Staas
»1080 Seiten können einschüchtern. 1080 Seiten Tolstoi – sofort wird man gewarnt: ganz kompliziert! Die russischen Namen! Kann sich doch kein Mensch merken. Aber es wäre verkehrt, diesen Roman als ein Stück Arbeit zu betrachten, das gut vorbereitet sein will. Je offener und unbedarfter man an Anna Karenina herangeht, desto besser.

Ich habe mir dieses Vergnügen eher zufällig bereitet. Anna Karenina war für mich lange Zeit einer dieser Romane, die ›man irgendwann einmal lesen sollte‹ und die einem deshalb ein diffuses Gefühl von Unlust bereiten. Nun lag ich mit einer Grippe im Bett, und es galt, die Zeit mit einem möglichst dicken Roman zu füllen. Anna Karenina war der dickste, den ich in meinem Regal finden konnte.

Man kann sich mit solcher Unvoreingenommenheit natürlich auch frustrieren. Robert Musils Mann ohne Eigenschaften wird kaum amüsant finden, wer nichts über den Untergang des Habsburger-Reiches weiß. Anna Karenina hingegen lässt sich fast voraussetzungslos lesen. Zwar ist auch dieser Roman ein Epochengemälde – er zeichnet ein Panorama der russischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts –, doch er liefert mit, was es braucht, um sich in den Horizont der Zeit zu versetzen.

Zwei Geschichten sind es, die Leo Tolstoi erzählt: die seiner Titelheldin, die aus ihrer erkalteten Ehe ausbricht und Erfüllung in den Armen eines Liebhabers sucht, des blendenden Offiziers Wronski. Und die von Lewin, einem Grübler und Sucher, der um die junge Kitty wirbt, mit der er schließlich auf sein Landgut zieht, raus, ins Freie. Verknüpft werden diese beiden Erzählungen durch eine dritte – die von Lewins Freund und Annas Bruder Stiwa und seiner Frau Dolly, deren Ehe eine Geschichte steten, gesellschaftskonformen Unglücks ist.[…]«

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Mit einem persönlichen Nachwort von Peter Wagner
Übersetzt von Ingrid Rein
In neuer Übersetzung von 2010

Der 20-jährige Dorian Gray lässt sich auf einen Teufelspakt ein: Alter und Laster hinterlassen ihre Spuren nur im Porträt des Jünglings, während er selbst sich seine makellose Schönheit bewahrt. Mit seinem einzigen Roman wurde der Ire Oscar Wilde 1891 zum Skandalautor im puritanischen England. Heute fasziniert dieses Glanzstück des Fin de Siècle als geistvolle Feier des Dandytums und hochamüsante Persiflage auf die feine Gesellschaft der spätviktorianischen Epoche.

 

F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby

F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby

Mit einem persönlichen Nachwort von Bernadette Conrad
Übersetzt von Hans-Christian Oeser
In neuer Übersetzung von 2012

Hunderte von Gästen empfängt der undurchsichtige Aufsteiger Jay Gatsby zu rauschenden Festen in seiner Villa auf Long Island – er erwartet aber lediglich die eine: seine Exverlobte Daisy. F. Scott Fitzgerald verbindet in seinem Roman von 1925 eine tragische Liebesgeschichte mit einem dekadent schillernden Tableau der Roaring Twenties in den USA und mit einer raffnierten Demontage des Amerikanischen Traums.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Bernadette Conrad
»Zu mir kam Der große Gatsby erst spät, aber dafür am bestmöglichen Ort: in New York. Paula Fox, die ich besuchte, gab ihn mir in die Hand. Gleich im ersten Gespräch sagte sie: Lieblingsbücher? Gatsby natürlich.

Ich reiste damals oft nach New York, und jedes Mal, wenn ich ankam und im Bus von Queens her mit klopfendem Her¬zen nach der Skyline von Manhattan suchte, war Gatsby bei mir: ›… (A)uf der anderen Seite des Flusses erhebt sich die Stadt in weißen Quadern und Zuckerwürfeln, alle ganz nach Wunsch aus geruchlosem Geld erbaut. Wenn man die Stadt von der Queensboro Bridge aus sieht, ist es so, als würde man sie zum ersten Mal sehen, ihre wilden Verheißungen sämtlicher Geheimnisse und Schönheiten der Welt.‹

Dem 23-jährigen F. Scott Fitzgerald, der 1919 in New York ankam, um seine Erzählungen zu verkaufen, zeigte sich eine andere Skyline als dem heute Ankommenden. Aber die Dimension der ›wilden Verheißungen‹, New Yorks trü¬gerische Begabung, immer wieder ›zum ersten Mal‹ da zu sein, traf Fitzgerald mit schockierender Kraft. Gerade war der Erste Weltkrieg vorbei, Fitzgerald beschrieb begeistert den triumphalen Zug der Truppen durch die 5th Avenue, die auf die Soldaten zufliegenden Mädchen – ›there was Gala in the Air!‹ […]«

John Steinbeck: Von Mäusen und Menschen

John Steinbeck: Von Mäusen und Menschen

Mit einem persönlichen Nachwort von Urs Willmann
Übersetzt von Mirjam Pressler
In neuer Übersetzung von 2002

Zwei Erntehelfer ziehen während der Weltwirtschaftskrise in den USA von Farm zu Farm: George, schmächtig und klug, müht sich, seinen bärenstarken, zurückgebliebenen Freund Lennie vor sich selbst zu bewahren. Irgendwann jedoch wird Lennies unfreiwillig tödliches Zärtlichkeitsbedürfnis nicht mehr nur Mäusen, sondern auch Menschen zum Verhängnis. Steinbeck erreicht mit diesem Roman von 1937 den Gipfel seiner melodramatisch-naturalistischen Erzählkunst.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Urs Willmann
»George ist der erste der beiden Männer, die auf einer Lichtung auftauchen, am sandigen Ufer des Salinas, der sich südlich von Soledad in Kalifornien zwischen Hügeln windet: ›Der erste Mann war klein und flink‹, heißt es. Am Ende der Novelle Von Mäusen und Menschen ist es wieder George, der von John Steinbecks literarischem Männerpaar übrig bleibt. Der andere liegt nach 120 Seiten tot im Staub.

Doch in meiner Erinnerung ist nicht George, sondern vielmehr Lennie, der zweite der beiden Männer, über all die Jahre – es dürften mehr als dreißig sein – präsent geblieben. Und das, obwohl er kaum von Dingen zu reden imstande ist, die über seine eindimensionale Sehnsucht hinausgehen: ein Zuhause zu finden, in dem er Kaninchen behüten und streicheln kann. Trotzdem ist sein Auftritt vom ersten Satz an, der ihm gewidmet ist, nachhaltig. Nicht George, der Mann mit ›schlanken Armen und schmaler, knochiger Nase‹, bleibt in der Erinnerung haften, sondern ›sein Gegenbild‹. Lennie kommt in der Anfangsszene hinter George den Pfad herunter und tritt ins Bild wie auf eine Bühne, er ist sofort omnipräsent: ›Ein hochgewachsener Mann mit einem formlosen Gesicht und großen, farblosen Augen und mit breiten, schlaffen Schultern; er ging schwerfällig, zog seine Füße leicht nach, so wie ein Bär seine Pfoten nachzieht. Seine Arme schwangen nicht vor und zurück, sie hingen einfach herab.‹ Mit diesen Sätzen hatte im Jahr 1937 eine der eindrücklichsten Figuren der amerikanischen Literatur das Licht der Welt erblickt, und mir wurde ihre Geschichte Anfang der achtziger Jahre als englische Schullektüre vorgesetzt. […]«

Albert Camus: Die Pest

Albert Camus: Die Pest

Mit einem persönlichen Nachwort von Iris Radisch
Übersetzt von Uli Aumüller

Die von der Pest heimgesuchte algerische Stadt Oran wird unter Quarantäne gestellt und verwandelt sich binnen kurzer Zeit in einen Mikrokosmos des physischen und moralischen Verfalls. Die einen nehmen die Katastrophe als Gottesstrafe hin, andere lehnen sich auf und handeln. In seiner großen Parabel von 1947 verarbeitet Camus nicht nur seine Erfahrungen im okkupierten Frankreich, sondern appelliert auch an das moralische Verantwortungsgefühl eines jeden Einzelnen.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Iris Radisch
»Die Pest erschien bei Gallimard in Paris am 6. Juni 1947 zum ersten Mal und war sofort ein Erfolg. Als der Autor des Romans Der Fremde und des philosophischen Essays Der Mythos des Sisyphos mit seiner Familie aus den Sommerferien zurückkommt, ist er eine Berühmtheit. ›Man begräbt mich unter Blumen, das weckt meine Zweifel oder verstärkt sie vielmehr‹, schreibt er an seinen Verleger Michel Gallimard, mit dem gemeinsam er dreizehn Jahre später, am 4.Januar 1960, auf der Route Nationale 5 zwischen Champigny-sur-Yonne und Villeneuve-la-Guyard bei einem Autounfall ums Leben kommen wird.

Der spontane Erfolg des Buches mag viele Gründe haben, vor allem aber hängt er in diesen ersten Nachkriegsjahren damit zusammen, dass Die Pest als ein Gleichnis für die gerade überlebte Zeit der Okkupation gelesen wurde. In Camus’ Tagebüchern finden sich 1938 erste Hinweise auf das Buch. 1942 gibt es schon eine erste Fassung, die Camus jedoch noch mehrmals umschreibt. Insgesamt arbeitet er fünf Jahre an dem Roman. Fünf Jahre, in denen er von seiner Frau Francine getrennt, im nicht besetzten Teil Frankreichs in Le Chambon nahe Lyon lebt, bis er 1943 nach Paris geht, um dort als Lektor im Verlag Gallimard und zugleich für Combat, die Zeitung des französischen Widerstandes, zu arbeiten.

Und so mögen viele französische Leser der ersten Nachkriegsjahre in diesem fernen, von heißen Winden geschüttelten, von der Außenwelt abgeschnittenen Oran in Nordafrika, in das noch nicht einmal das Serum der zivilisierten Restwelt in ausreichendem Maß hingelangen kann, das besetzte Paris wiedererkannt haben. Viele mögen sich selber als Opfer der braunen Pest gesehen, sich in den hilflos dahinvegetierenden oder unter der Todesbedrohung sorglos vor sich hin lebenden Oranern wiedergefunden haben: schwankend zwischen Fatalismus und Empörung, hin- und hergerissen zwischen Verdrängung und Verzweiflung, einem scheinbar unabwendbaren Schicksal ausgesetzt. […]«

George Orwell: 1984

George Orwell: 1984

Mit einem persönlichen Nachwort von Marcus Rohwetter
Übersetzt von Michael Walter

Wenige Monate vor seinem Tod veröffentlichte George Orwell 1949 seine finstere Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates, in dem der resignierte und grüblerische Winston Smith vergeblich versucht, seine innere Freiheit und Individualität zu bewahren. Zwar gehört das Jahr 1984 inzwischen der Vergangenheit an, doch als Chiffre für staatlichen Machtmissbrauch, Gesinnungsterror und Manipulation der geschichtlichen Wahrheit ist Orwells Roman aktuell geblieben.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Marcus Rohwetter
»Wenige Jahreszahlen lösen so starke Assoziationen aus wie 1984. Selbst wer George Orwells Buch nie gelesen hat, kennt das Bild vom ›Großen Bruder‹. Ob es um die Videoüberwachung öffentlicher Plätze geht oder um neugierige Internetkonzerne auf Datenjagd: Die in den späten 1940er Jahren entstandene Vision eines allmächtigen totalitären Regimes ist bis heute fester Bestandteil jeder Diskussion um das Recht auf freie Meinungsäußerung und Privatsphäre. Und tatsächlich hat George Orwell uns auch heute noch viel zu sagen.

In 1984 beobachtet das herrschende Regime seine Bürger über Teleschirme in ihren Wohnungen und auf den Straßen. Man könnte auch interaktives Fernsehen dazu sagen: Der Bürger blickt hinein, und irgendjemand (oder irgendetwas) schaut heimlich zurück. Technische Überwachbarkeit in fast jedem Winkel ist für einen guten Teil des Grusels verantwortlich, der sich beim Lesen einstellt. Was könnte unerbittlicher sein als das Auge einer Videokamera? Was kälter und unmenschlicher als eine Maschine?

Dabei erzählt Orwell eigentlich gar keine Geschichte über Technik, auch wenn 1984 vor allem damit verbunden wird. In erster Linie erzählt er von Menschen, von den Methoden der Machtsicherung sowie von den Gefahren des Personenkults.

Am Schluss des Romans spielt die Technik konsequenterweise auch gar keine entscheidende Rolle mehr. Der Protagonist Winston, dessen Suche nach individueller Freiheit das Buch bis dahin beschreibt, ist ein gebrochener Mann. Folter und Gehirnwäsche haben ihm jede Kraft zum inneren Widerstand genommen. Körperlich und psychisch ein Wrack, liebt schließlich auch Winston den ›Großen Bruder‹. […]«

Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer

Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer

Mit einem persönlichen Nachwort von Ulrich Greiner
Übersetzt von Annemarie Horschitz-Horst

Vor der Küste Kubas tritt der greise Fischer Santiago den Kampf seines Lebens an: Zwei Tage und Nächte ringt er mit einem riesigen Schwertfisch und muss diesen dann gegen ein Rudel Haie verteidigen. »Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben«, lautet die Maxime in Ernest Hemingways Novelle von 1952 – einer der großen amerikanischen Parabeln über den ewigen Konflikt zwischen Mensch und Natur und über die moralische Unbesiegbarkeit des wahren Helden.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Ulrich Greiner
»In den sechziger Jahren der alten Bundesrepublik besuchte ich oftmals die Bibliothek des Frankfurter Amerikahauses. Dort hatten sie die Schriftsteller, die ich damals liebte: Jack London, John Steinbeck, Ernest Hemingway. Und ich erinnere mich daran, dass dessen Geschichte vom alten Mann, der den größten Fisch seines Lebens fängt und daran fast zugrunde geht, dass dieses Epos eines heroischen, tragischen Kampfes mich zutiefst beschäftigt und gerührt hat. Doch oft ist es ja so, dass man sich an die Bücher der frühen Jahre, als die Gefühle noch frisch und heftig waren, wie an eine ferne Schwäche erinnert und sich scheut, ihnen wieder zu begegnen. Heute, da der Mythos Hemingway verblasst ist, erscheint er als der männermilde Abglanz einer vormodernen Jugend, die längst in die Jahre gekommen ist. Doch als ich jetzt seine berühmteste Erzählung wieder las, spürte ich die alte Faszination von Neuem, und ich begriff, dass Der alte Mann und das Meer wahrhaft klassisch ist. Klassikern kann das Alter nichts anhaben. Ernest Miller Hemingway, wie er mit vollem Namen hieß, war der berühmteste Autor seiner Zeit. Für den Alten Mann und das Meer hatte er 1953 den Pulitzerpreis bekommen, ein Jahr später den Nobelpreis. Er war der erste Schriftsteller-Star überhaupt, jede Affäre, jede Sauftour, jeder Schritt, den er tat, wurde von Reportern und Fotografen verfolgt. Er spielte den starken Mann, der die Frauen, den Gin und die Großwildjagd liebte, aber im Grunde seines Herzens war er empfindsam und verletzlich. […]«

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharine Blum

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharine Blum

Mit einem persönlichen Nachwort von Stefanie Flamm

Nach einer Liebesnacht mit einem Mordverdächtigen gerät Katharina Blum selbst ins Visier von Justiz, Polizei und Boulevardjournalismus. Die öffentliche Hetzkampagne treibt die junge Frau schließlich zur Verzweiflungstat. Mit seiner 1974 publizierten Erzählung lieferte Böll einen der meistdiskutierten literarischen Beiträge zur Terrorismus-Debatte in der damaligen BRD und prangerte schonungslos die menschenverachtenden Praktiken des Sensationsjournalismus an.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Marcus Rohwetter
»Böll? Heinrich? Man erntet ratlose Blicke, wirft man den Namen heute, im Jahr 2013, in die Runde. ›Ich bitte dich, wer liest das denn noch?‹, fragt ein Freund. Eine Freundin glaubt gehört zu haben, der zu seiner Zeit erfolgreichste deutsche Schriftsteller werde überhaupt nicht mehr verlegt. Das ist natürlich Unsinn. Böll ist ein Klassiker. Doch in den Ohren der heute um die Vierzigjährigen klingt sein Name schon sehr nach alter Bundesrepublik, nach ewiger Nachkriegszeit und quälender Schulbuchlektüre.

Gefühlte Jahre haben wir in unserer Jugend damit verbracht, Ansichten eines Clowns oder Billard um halb zehn so lange durchzuackern, bis nichts mehr übrig war außer dem Gefühl, dass es in diesen Werken nicht um uns, sondern um unsere Eltern und Großeltern ging, die sich nach 1945 allzu schnell mit der neuen Zeit arrangiert hatten. Wir hatten damals längst andere Themen, aber Böll, der ewige Mahner und Warner, ließ uns nicht in Ruhe. Demonstrierte mit Baskenmütze in Mutlangen gegen die Nachrüstung, hielt mit glimmender Zigarette auf Schriftstellerkongressen engagierte Reden gegen die Ausbeutung seiner Zunft, nahm zu Hochzeiten des Kalten Krieges den sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenyzin bei sich auf. Dieser Mann war kein blinder Linker. Anders als viele Autoren der Gruppe 47 hat er es sich nie in einer Weltanschauung bequem gemacht, sondern seinen Zeigefinger in alle Richtungen erhoben. Doch mit beginnender Adoleszenz ist einem diese moralische Unerschütterlichkeit nicht ganz geheuer. […]«

Gabriel García Márquez: Der Herbst des Patriarchen

Gabriel García Márquez: Der Herbst des Patriarchen

Mit einem persönlichen Nachwort von Ulrich Ladurner
Übersetzt von Curt Meyer-Clason

Als unerbittlicher, satirischer Chronist der Macht schildert Gabriel García Márquez die fantastische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Despoten. Sämtliche lateinamerikanischen Diktatoren vereinen sich in der Figur des charismatisch-blutrünstigen Patriarchen Zacarías, der gleichermaßen Hass, Furcht und Ehrfurcht einflößt. Doch auch der mächtigste Tyrann wirkt wehrlos, fast mitleiderregend angesichts des grotesken Humors, den der Autor als Waffe gegen ihn erhebt.

Leseprobe des Nachworts:
Ein persönliches Nachwort von Ulrich Ladurner
»Im Herbst 1982 fuhr ich mit dem Zug nach Malaga. Die Reise dauerte fast drei Tage. Unwetter hatten Gleise auf der Strecke zerstört. Schließlich kam ich an einem Sonntagabend in der Stadt an. Als ich aus dem Bahnhofsgebäude trat, befand ich mich zu meiner Überraschung mitten in einer rauschenden Party. Auf dem Bahnhofsvorplatz sangen, tanzten und tranken Hunderte Menschen. Was mochte das für ein Fest sein? Ich war todmüde und wollte nur schlafen. Doch überall, wo ich hinkam, wurde gefeiert, in allen Straßen, Gassen und auf allen Plätzen. Selbst in meinem schäbigen Hotel tanzten die Gäste und das Personal die ganze Nacht. Dort erst erfuhr ich den Grund für die allgemeine Ausgelassenheit: Der Sozialist Felipe González hatte bei Parlamentswahlen eine satte Mehrheit der Stimmen geholt. Sein Wahlsieg hatte für Spanien eine besondere Bedeutung, denn er markierte den endgültigen Abschied von der Diktatur des Generals Francisco Franco. Der war zwar schon 1975 gestorben, aber seine politischen Erben hielten Spanien fest in ihrem Griff, bis zu jenem 28. Oktober 1982. Es war ein historischer Tag, denn Franco hatte Spanien seit 1936 mit harter Hand regiert – eine Ewigkeit.

Am nächsten Tag meldete ich mich wie geplant bei meiner Sprachschule an. Und wieder ›begegnete‹ mir das System Diktatur, dieses Mal das lateinamerikanischer Provenienz: Meine Lehrerin war vor der argentinischen Militärjunta geflüchtet, die Schulleiterin kam aus Uruguay und meine Gastmutter aus Chile; auch dort hatten Generäle demokratisch gewählte Regierungen aus dem Amt geputscht und die Opposition unterdrückt. Die massive Präsenz der Diktatur war für mich, der in den sicheren und demokratischen Verhältnissen Westeuropas aufgewachsen war, eine regelrechter Schock.

Meine Lehrerin Maria stammte aus Buenos Aires. Über ihre Erfahrungen mit der Diktatur wollte sie nicht sprechen. Sie war geflüchtet. Das musste reichen. Schon in der ersten Woche meines Aufenthaltes empfahl sie mir das Buch eines kolumbianischen Schriftstellers: Der Herbst des Patriarchen von Gabriel García Márquez. […]«

Bewertungen(21)

Kundenbewertungen für ZEIT-Edition »Weltliteratur«

4.855 Durchschnittliche Kundenbewertung:
(aus 21 Bewertungen)
Sehr gutes Angebot.
TR
 - 24.09.2016
 
Sehr gutes Angebot, hochwertige Edition.
3 Bücher - die ich gelesen habe - haben mich faszinier
Albert Pürgstaller
 - 11.02.2016
 
Bisher habe ich 3 Bücher gelesen und bin von jedem fasziniert. Ich freue mich bereits auf die Nächsten. Auch sind mir die Kommentare eine große Hilfe.
Ausgezeichnet
Jeanette Bohr
 - 20.12.2015
 
Sehr schön gebundene Bücher, die auch als Geschenk, so in unserem Fall, große Freude bereiteten. Perfektes Preis-Leistungsverhältnis. Was will man mehr?
Sehr gelungene Edition.
Beckert-Rögner
 - 14.11.2015
 
Sehr gute Edition.
Herausragende Bücher zum herausragenden Preis
EN
 - 22.02.2015
 
Was soll man dazu sagen? Die Bücher sehen gut aus, liegen gut in der Hand, riechen gut und lesen sich dazu auch ganz ausgezeichnet. Der Preis ist für das Gebotene geradezu lächerlich gering. Eine absolute Kaufempfehlung!
Super Edition
Malte Köpke
 - 25.11.2014
 
Eine sehr gelungene Auswahl an Literatur, macht sich zu dem auch gut im Bücherregal und das Preis-/Leistungsverhältnis ist top.
Ein sehr gutes Angebot
Gast
 - 22.08.2014
 
Das Preis-/ Leistungsverhältnis ist bei diesem Angebot wirklich sehr gut. Falls Sie diese Bücher noch nicht besitzen, kann ich Ihnen dieses Angebot wärmstens empfehlen.
Das glückliche Bücherregal
Gast
 - 03.04.2014
 
Ein sehr gute Auswahl! Die Bücher sind zudem qualitativ sehr hochwertig verarbeitet. Ein Muss für jedes sortierte Bücherregal. Eine unbedingte Empfehlung für die gesamte Kollektion, auch wenn der eine oder andere Titel bereits im Regal steht. Ein Schuber wäre das i-Tüpfelchen gewesen....
Weltliteratur
Gast
 - 04.03.2014
 
Die Bücher sind sehr schön hergestellt und gut verarbeitet. Leider fehlt ein Schuber für die Bücher.
Deshalb als Geschenk weniger geeignet, es sei denn man drückt dem Beschenkten die Bücher einzeln in die Hand.
Weltliteratur eben
.
 - 05.01.2014
 
Gute Verarbeitung, schön bunte Einbände - für den Preis sehr günstig.
Das perfekte Weihnachtsgeschenk (gilt auch für 2014)
Gast
 - 26.12.2013
 
Eine super Auswahl wurde da getroffen: Das perfekte Geschenk für Jung und Alt.- Liest sich sehr schön und sieht im Regal auch so aus.
Versandkosten und -zeit sind ebenfalls zu loben.
Einfach klasse- gewohnt ZEIT-Qualität.
Ein Muss!!
juppschmalhorst
 - 26.12.2013
 
Sehr schöne Auswahl und schneller Versand. Die ganze Familie ist glücklich damit!
Erwartungen erfüllt
PB
 - 30.11.2013
 
Die Edition entspricht voll dem, was man von der ZEIT erwartet!
Abwicklung und Versand perfekt.
Ein Schmuckstück in meiner Bibliothek...
Gast
 - 10.11.2013
 
... nicht nur die Aufmachung, sondern auch die Auswahl der Bücher...
Und der Preis: sensationell!
Wieder eine schöne Buchedition
Gast
 - 01.11.2013
 
Nach den Literaturklassikern eine wirklich schöne Ergänzung, die inhaltlich stimmig ist, aber auch von der Gestaltung her den Ansprüchen an Zeit-Editionen voll erfüllt!
Tolle Edition =)
stern26-de
 - 25.10.2013
 
Sehr schöne Bücher. Interessante Titel. Super Verarbeitung. Sorgfältige Verpackung und Versand.
Was man von DIE ZEIT erwartet...
Gast
 - 25.10.2013
 
noch habe ich die Bücher nicht gelesen, kenne aber größtenteils die Inhalte und finde, dass sie in jeden Bücherfundus gehören. Die Auswahl und das Preis/Leistungsverhältnis empfinde ich schon einmal sehr gut! Auch die Anmutung entspricht den Erwartungen, die man an DIE ZEIT hat. Abwicklung und Versand haben ebenfalls einwandfrei funktioniert.
Das Prinzip der Edition ist gelungen und eignet sich sicherlich - sofern lizenzrechtlich möglich - für weitere Ausgaben.
Superschöne Ausgaben
HH
 - 22.10.2013
 
... sehen toll aus, fassen sich toll an, die Auswahl der Titel hätte besser nicht sein können - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Mein 15jähriger Sohn ist genauso begeistert wie ich. Das verführt zum Lesen und ich bin wieder aufs neue überzeugt, dass kein Kindle ein Regal voller schöner Bücher ersetzen kann.
Tolle Zusammenstellung - leider ohne Schuber
Sintetizador
 - 19.10.2013
 
Die Zusammenstellung der Werke ist gelungen und deckt einen großen Bereich der klassischen Literatur ab. Bezüglich der literarischen Qualität der Werke ist angesichts der Autoren - unter anderem Camus, Hemingway und Goethe - nichts zu bemängeln. Die Bücher selbst sehen schick aus, die puristisch gehaltene Optik mutet hochwertig an.

Bei dem Preis von knapp 100 Euro hätte meiner Meinung nach aber auch eine Art Schuber dabei sein sollen, mit dem die Bücher im Regal noch besser zur Geltung kommen würden.

Dennoch empfehle ich die Zusammenstellung jedem Literatur-Liebhaber, der diese Klassiker entweder als optischen Blickfang im heimischen Buchregal stehen haben möchte oder, und umso mehr, sofern er oder sie viele der Titel noch nie gelesen hat.
Sehr schönes Produkt
ReadingRat
 - 15.10.2013
 
Sehr schönes und hochwertiges Produkt.
Schoen gebunden, interessante Kommentare
Gast
 - 04.10.2013
 
Ich haette mir gewuenscht, dass die Baende in einem Schieber gesandt werden, den man von anderen Zeit-Editionen aus der Erwachsenen- und Kinderbuchwelt kennt. Erleichtert das 'schoene' Aufbewahren der Buecher und wuerde sich auch zum Verschenken sehr gut anbieten.

Ansonsten sehr zufrieden.

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