»Politthriller« – Die 12 Romane im Detail
Übersicht
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Robert Harris: Ghost
Der britische Ex-Premierminister Adam Lang will seine Memoiren veröffentlichen. Nach dem mysteriösen Tod seines Ghostwriters recherchiert dessen Nachfolger genauer als verlangt und macht dabei brisante Entdeckungen:
Hat der Premier tatsächlich die Folterung von britischen Staatsbürgern in Pakistan angeordnet? Und stand er dabei im Dienst der CIA?Der Autor
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Er war Reporter bei der BBC, Redakteur beim »Observer« und Kolumnist bei der »Sunday Times« und dem »Daily Telegraph«. 2003 wurde er als bester Kolumnist mit dem British Press Award ausgezeichnet. Er schrieb mehrere Sachbücher, und seine Romane »Vaterland«, »Enigma«, »Aurora«, »Pompeji«, »Imperium« und zuletzt »Ghost« wurden allesamt internationale Bestseller. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire. (red)
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Jürgen Krönig:
Robert Harris siedelt die Handlung seines Thrillers in direkter Nähe zur realen Politik an, voller kaum verhüllter Parallelen: Auch Tony Blair hat George W. Bush in seinem »Krieg gegen den Terror« nahezu bedingungslos unterstützt Aber war er tatsächlich nur eine Marionette der USA oder gar der CIA? Dieser Frage geht ZEIT-Autor Jürgen Krönig in einem exklusiven Anhang zum Buch nach und erläutert das Verhältnis von Roman und Realität, Parallelen und Unterschiede zwischen Adam Lang und Tony Blair, dem fiktiven und dem wahren britischen Ex-Premier.
Der ZEIT-Autor
Jürgen Krönig, geb. 1948, ist Autor und freier Journalist in Großbritannien. Er arbeitet u. a. für die ZEIT, die »Berliner Republik«, die BBC und diverse ARD-Sender. Als politischer Korrespondent verfolgte er u. a. das Ende der Thatcher-Ära und Aufstieg und Niedergang von Tony Blair. Jürgen Krönig lebt seit 25 Jahren in London und Wiltshire.
ZEIT-Analyse zu Robert Harris: »Ghost«
von Jürgen KrönigMan sagt, der Journalismus liefere den ersten Entwurf der Geschichtsschreibung. Darf man folglich noch höhere Erwartungen an ein Buch richten, das aus der Feder eines erfolgreichen Journalisten wie Robert Harris stammt, der sein Talent für historisch fundierte Romane stets aufs Neue bestätigt hat? Die Liste seiner Bestseller von »Vaterland« über »Enigma«, »Pompeji« bis »Imperium« ist lang und eindrucksvoll. Die meisten Kritiker wie ein internationales Publikum zeigten sich denn auch äußerst angetan von »Ghost«. Der Autor serviert nicht nur einen packenden Politthriller; sein Buch ist zugleich Satire und Abrechnung mit einer der schillerndsten politischen Figuren der vergangenen Dekade. Kaum jemand dürfte bei der Leseentscheidung für »Ghost« nicht gewusst haben, dass es sich bei dem Vorbild für Adam Lang, den fiktiven Expremier Großbritanniens, dem eine Anklage wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag droht, um den realen Tony Blair handelt.
»Ghost« ist der erste Roman von Harris mit hochaktuellem, politischem Hintergrund, voll kaum verhüllter Hinweise auf reale Personen. Der Autor kann mit Fug und Recht darauf verweisen, dass er die Blairs dank seines privilegierten Zugangs und eines beinah freundschaftlichen Verhältnisses besonders gut kannte und ihre Stärken und Schwächen aus persönlich erlebt hat. In den späten neunziger Jahren gehörte Robert Harris zu jenen Auserwählten, die um ihre Zugehörigkeit zu »Camelot« beneidet wurden. So nannte man in Anspielung an König Artus’ Tafelrunde und den früheren amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy den Kreis um die Blairs, zu dem alle gehören wollten. […] -
John le Carré: Agent in eigener Sache
Der legendäre George Smiley, ehemaliger Chef des britischen Geheimdienstes, wird noch einmal gebraucht. Ein Ex-Agent wurde tot in einem Londoner Park gefunden, und Smiley soll den Fall vertuschen, ihn als bedauerlichen Unglücksfall erscheinen lassen. Doch Smiley spielt nicht mit. Er ermittelt auf eigene Faust und erkennt, dass einige Spuren zu seinem Erzfeind Karla führen, dem Chef des sowjetischen Geheimdienstes. Eine unglaubliche Jagd beginnt, die Smiley durch ganz Europa führt und erst im Schatten der Berliner Mauer ihr atemberaubendes Ende findet.
Der Autor
John le Carré, 1931 in Poole, Dorset, geboren, war nach seinem Studium der Germanistik in Bern und Oxford in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig. Mit »Der Spion, der aus der Kälte kam« begründete er 1963 seinen Weltruhm als Bestsellerautor. 2011 wurde le Carré in Weimar die Goethe-Medaille verliehen, als Auszeichnung seiner Verdienste um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch. John le Carré lebt mit seiner Frau in Cornwall und London.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Tobias Gohlis:
John le Carré hat mit diesem Thriller einmal mehr den wohl berühmtesten Spion der Weltliteratur in eine Konfrontation von geradezu mythischer Bedeutung verstrickt Der Kalte Krieg bildet die Kulisse für einen Kampf zwischen zwei Männern aus gegnerischen Geheimdiensten, vermeintlich zwischen Gut und Böse, der auch nach Überwindung des Ost-West-Konflikts nichts an Bedeutung verloren hat.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Tobias Gohlis Roman und Realität in »Agent in eigener Sache« und erläutert die Hintergründe der legendären George-Smiley-Trilogie.
Der ZEIT-Autor
Tobias Gohlis geboren 1950 in Leipzig, studierte in Berlin Germanistik und Politologie. Er arbeitet als freier Autor und Journalist, unter anderem seit 2001 als Krimi-Kolumnist der ZEIT und seit 2005 als Sprecher der Krimi-Bestenliste, die seit 2011 bei der ZEIT erscheint.
ZEIT-Analyse zu John le Carré: »Agent in eigener Sache«
von Tobias GohlisKim Philby? Donald Maclean? Guy Burgess? Vermutlich kennen heute nur noch Spezialisten für Geheimdienstgeschichte und Kalten Krieg diese Namen, doch in abgewandelter und fiktional konzentrierter Gestalt sind sie längst Bestandteil unseres kollektiven Bewusstseins: Als „Maulwürfe“ – britisch-sowjetische Doppelagenten – wie Bill Haydon in »Dame, König, As, Spion« sind sie in John le Carrés Romanen und den darauf basierenden Verfilmungen unsterblich geworden. Und seine legendäre, fiktive Erzählung über George Smileys Suche nach diesen Maulwürfen im britischen Geheimdienst hat die reale Geschichte inzwischen so überschrieben, dass ihre Ursprünge sich im Dunkeln zu verlieren beginnen. […]
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Frederick Forsyth: Der Rächer
Im Krieg auf dem Balkan wird 1995 ein junger Amerikaner brutal ermordet. Seine Familie will Sühne. Doch der Mörder, Anführer einer serbischen Verbrecherbande, taucht in Südamerika unter Der Großvater des Opfers beauftragt Cal Dexter, Vietnamveteran und selbst ernannter Rächer in aussichtslosen Fällen, den Mörder seines Enkels dingfest zu machen. Die Suche führt Dexter über drei Kontinente und schließlich in eine Situation, in der Richtig und Falsch nicht mehr klar zu unterscheiden sind.
Der Autor
Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford, Kent, arbeitete zunächst als Korrespondent für die Agentur Reuters, für die er aus Frankreich, Spanien, der DDR und aus der Tschechoslowakei berichtete. 1965 ging er dann zur BBC, bevor er 1971 mit dem ersten seiner sehr erfolgreichen Thriller debütierte. Forsyth hat unter anderem den renommierten Edgar Allen Poe Award gleich zweimal erhalten und lebt heute in der Nähe von London.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Michael Thumann:
Was mit der Suche nach Gerechtigkeit für einen einzelnen Mord während des Balkankriegs beginnt, wird von Frederick Forsyth zu einer weltpolitischen Tour d’Horizon bis hin zu Osama bin Laden und den Anschlägen des 11. September 2001 geführt. Atemberaubend spannend und mit einem gänzlich unerwarteten Ende.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Michael Thumann Roman und Realität in »Der Rächer« und erklärt die politischen Hintergründe und den Verlauf der jugoslawischen Nachfolgekriege.
Der ZEIT-Autor
Michael Thumann studierte Geschichte, Politik und Slawistik an der FU Berlin, an der Columbia University in New York und an der Leningrader Staatsuniversität. Bei der ZEIT schrieb er zunächst als politischer Redakteur über Südosteuropa und war dann von 1996 bis 2001 Korrespondent in Moskau. Bis 2007 koordinierte er die außenpolitische Berichterstattung der ZEIT, seitdem arbeitet er wieder als Korrespondent, nunmehr für den Nahen und Mittleren Osten in Istanbul.
ZEIT-Analyse zu Frederick Forsyth: »Der Rächer«
von Michael ThumannVertreibungen und Völkermord sind Kapitalverbrechen und ein erprobtes Mittel europäischer Politik im 20. Jahrhundert. Der jugoslawische Nachfolgekrieg der neunziger Jahre war der letzte in einer langen Reihe von Kriegen dieses blutigen Jahrhunderts, in denen europäische Politiker Menschen auf der Landkarte umherschoben oder auslöschten. In der EU wurde der Konflikt als »atavistisch« und »uneuropäisch« empfunden, obgleich viele europäische Nationalstaaten im 20. Jahrhundert ähnliche Massaker erlebt oder verübt hatten. Aber im Völkerfrühling nach dem Fall der Mauer 1989 wirkte der Jugoslawienkrieg wie aus der Zeit gefallen: Während Polen und seine Nachbarländer Demokratien aufbauten, befahlen serbische und kroatische Politiker die Auslöschung von ganzen Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Schwerverbrecher in Uniform setzten die Anweisungen um. Die von Frederik Forsyth beschriebene Romanfigur des Massenmörders Zoran Zilić ist ein Prototyp jener Verbrecher, die damals die Karte Bosniens neu zeichneten. Ganze Landstriche wurden entvölkert, die Bevölkerung wurde vertrieben, enteignet, ermordet. Die Staaten der Europäischen Union und die USA schauten dem blutigen Treiben lange zu. Zum Teil wurden sie überrascht von der Brutalität der Kämpfe, zum Teil waren die westlichen Nationalstaaten nur zynische Beobachter. Erst 1995 erfolgte das konsequente Eingreifen des Westens unter amerikanischer Führung, mit dem der Krieg beendet werden konnte. Warum dauerte es so lange, bis verbrecherischen Politikern und Mörderbanden das Handwerk gelegt wurde? […]
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Jacques Berndorf: Bruderdienst
Die westlichen Geheimdienste befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Der völlig verarmte Staat Nordkorea hat 300 Mercedes-Limousinen der S-Klasse bestellt. Die Hinweise mehren sich, dass das Land einen lukrativen, aber folgenschweren Deal ausgehandelt und eine Atombombe verkauft hat. Klar ist nur: Die Folgen für die Welt könnten verheerend sein. Der Bundesnachrichtendienst versucht, der Bombe auf die Spur zu kommen und die Hintergründe des Geschäfts aufzuklären. Eine hierfür geleistete Hilfestellung für den »Bruderdienst« CIA erweist sich für den BND-Agenten Karl Müller als beinahe tödliche Mission.
Der Autor
Jacques Berndorf – Pseudonym des Journalisten Michael Preute – wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt seit 1984 in der Eifel. Er arbeitete viele Jahre als Journalist, u. a. für den »Spiegel« und den »stern«, bevor er sich ganz dem Krimischreiben widmete. Besonders bekannt wurde er mit seinen Eifel-Krimis; für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur erhielt er 2003 den Ehrenglauser.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Christian Denso:
Jacques Berndorf hat als erster Außenstehender Zugang zu den Archiven des Bundesnachrichtendiensts erhalten. Seine umfassenden Kenntnisse über dessen Arbeitsweise und das zeitliche Zusammentreffen mit dem jüngsten Machtwechsel in Nordkorea machen diesen Roman zu einer Geschichte von unheimlicher, faszinierender Aktualität und Spannung.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Christian Denso Roman und Realität in »Bruderdienst« und erklärt Arbeitsweise und politische Aufgabenstellung des deutschen Geheimdienstes BND.
Der ZEIT-Autor
Christian Denso wurde 1971 in Bonn geboren. Er studierte Neuere Geschichte, Politik und Jura in Konstanz, Berlin und Paris und besuchte die Axel Springer Journalistenschule. Er arbeitete zunächst beim »Hamburger Abendblatt«; seit 2008 ist er Redakteur im Politischen Ressort der ZEIT, wo er sich vor allem mit Sicherheitsthemen beschäftigt.
ZEIT-Analyse zu Jacques Berndorf: »Bruderdienst«
von Christian DensoDer neue „Oberste Führer“ von Volk, Partei und Streitkräften Nordkoreas ist mit 29 Jahren gerade mal halb so alt wie die meisten hochdekorierten Generäle und Funktionäre in seiner Umgebung. Sein Land verfügt nach den Erkenntnissen westlicher Geheimdienste über acht bis zwölf Nuklearwaffen. Und es ist nicht einmal klar, ob er auch wirklich selbst die Hand über dem Knopf für ihren Einsatz hält. Seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il im vergangenen Dezember führt Kim Jong Un mit Nordkorea die „stalinistische Monarchie“ in Ostasien. Das „Time Magazine“ nannte das Land dieser Tage „den letzten Stolperdraht des Kalten Krieges in Asien“ − ein Land, aus dem der Westen nur etwas erfährt, wenn seine Geheimdienste gut arbeiten: „Das einzig Sichere ist“, so „Time“, „dass Kim Jong Un der am wenigsten bekannte und verstandene Führer einer Atommacht ist.“
Die beunruhigenden Erkenntnisse aus dieser hermetisch abgeriegelten Welt werden auch beim Bundesnachrichtendienst (BND) mit großer Sorge verfolgt. Zwar liegen zwischen Berlin und Pjöngjang beinahe 8000 Kilometer, doch Nordkorea ist ein Cocktail aus hochgiftigen Zutaten: Es wird autokratisch und repressiv regiert und ist isoliert und verarmt. Der Verkauf einer Atombombe − ein durchaus zu befürchtendes Szenario − könnte die Welt erheblich verändern. […] -
Martin Cruz Smith: Treue Genossen
Russland: Der Chef eines millionenschweren Unternehmens liegt tot auf der Straße. War es tatsächlich Selbstmord, wie der Polizeichef und die Geschäftspartner des Toten glauben? Und warum liegt ein Salzstreuer unter ihm begraben? Der Chefermittler der Moskauer Polizei, Arkadi Renko, beginnt nachzuforschen, und seine Ermittlungen führen ihn in die Todeszone von Tschernobyl. Am Ort der Reaktorkatastrophe von 1986 ticken die Uhren anders. Nur langsam erkennt Renko die Zusammenhänge und ist dabei mit jedem Tag stärker den tödlichen, unsichtbaren Strahlen ausgesetzt.
Der Autor
Martin Cruz Smith wurde 1942 als Sohn einer Indianerin und eines Jazzmusikers in Reading bei Philadelphia geboren. Seine Romane sind internationale Bestseller; der berühmteste, »Gorki Park«, wurde auch in der Verfilmung mit William Hurt und Lee Marvin ein Welterfolg. Cruz Smith lebt mit seiner Familie in Kalifornien.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Robert Gast:
Martin Cruz Smith führt uns vor Augen, dass menschliches Versagen nicht nur zur eigentlichen Reaktorkatastrophe geführt hat, sondern auch bei ihrer anschließenden Bewältigung den Tod ungezählter Menschen zu verantworten hat. Dass Strahlung aber auch gezielt als Mordwaffe eingesetzt werden könnte, übersteigt beinahe unser Vorstellungsvermögen.
In einem exklusiven Anhang erläutert ZEIT-Autor Robert Gast Roman und Realität in »Treue Genossen« und erklärt die Hintergründe der tödlichen Bedrohung durch die atomare Strahlung, der die trotzigen Bewohner der Umgebung von Tschernobyl ausgesetzt sind.
Der ZEIT-Autor
Robert Gast wurde 1984 in Gießen geboren. Er studierte Physik und Philosophie in Heidelberg. Nach dem Diplom durchlief er eine Ausbildung der Initiative Wissenschaftsjournalismus. Heute arbeitet er als freier Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Physik und Technik.
ZEIT-Analyse zu Martin Cruz Smith: »Treue Genossen«
von Robert GastRadioaktivität ist der perfekte Stoff für einen Krimi. Man kann sie nicht sehen, schmecken oder riechen. Dennoch ist sie gefährlich, in hohen Dosen sogar tödlich. Sie ist eine ständig präsente Bedrohung in »Treue Genossen«, dem eigentlichen Mordfall stiehlt sie mehr als einmal die Show.
Aus der latenten Strahlengefahr zimmert Martin Cruz Smith die Bühne für seine Geschichte. Ihre Hintergründe hat er im Großen und Ganzen gewissenhaft recherchiert − für die Handlung stehen in weiten Teilen historische Ereignisse Pate. In manchen Passagen aber werden naturwissenschaftliche Fakten etwas zurechtgebogen, damit sie der Dramatik der Geschichte nicht im Wege stehen. Grundsätzlich jedoch beweist Cruz Smith mit der Themenwahl seines Romans geradezu prophetische Fähigkeiten: 2006, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Originalausgabe von »Treue Genossen«, wird Radioaktivität vor den Augen der Weltöffentlichkeit tatsächlich als Mordwerkzeug eingesetzt. […]
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Robert Littell: Die kalte Legende
Martin Odum, ehemaliger CIA-Agent mit verschiedenen erfundenen Identitäten, lebt als Privatdetektiv in Brooklyn. Neben seinen wenigen Aufträgen züchtet er auf der Dachterrasse Bienen und ist fest entschlossen, sich den Rest seines Lebens zu Tode zu langweilen. Aber ist er wirklich Martin Odum? Oder ist er Dante Pippen, ein IRA-Kämpfer? Oder der zwielichtige Waffenhändler Lincoln Dittmann? Eines Tages erteilt ihm die junge, attraktive Russin Stella Kastner einen Auftrag, der ihn nach Israel und nach Russland führt. Dort holt ihn seine Vergangenheit ein, von der er nichts mehr weiß. Er steht vor einem unlösbaren Dilemma: Wenn er sich erinnert, ist er tot. Wenn nicht, ebenfalls. Denn sein Wissen bedroht die Existenz der CIA...
Der Autor
Robert Littell wurde 1935 in New York geboren. Er arbeitete einige Jahre als Navigator und Funkoffizier bei der U.S.-Navy, bevor er Journalist wurde und als Korrespondent für »Newsweek« in Osteuropa arbeitete. Seit 1970 hat er zahlreiche sehr erfolgreiche Spionageromane verfasst. Für »Die kalte Legende« erhielt er 2007 den Deutschen Krimipreis. Robert Littell lebt heute in Frankreich.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Johannes Voswinkel:
Robert Littell zeichnet ein schockierendes und wohlinformiertes Bild von der Brutalität der russischen Oligarchen bei der Verteidigung ihrer Besitzansprüche im Russland der neunziger Jahre In einem exklusiven Anhang zum Roman erläutert ZEIT-Autor Johannes Voswinkel Wahrheit und Fiktion in dieser Darstellung und schildert anschaulich, wie sich das tatsächliche Handeln der russischen Wirtschaftsbosse der Thrillerhandlung oft unheimlich annäherte.
Der ZEIT-Autor
Johannes Voswinkel wurde 1961 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Slawistik und Romanistik in Freiburg und Hamburg und besuchte die Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule. Seit Anfang 2002 berichtet er als Moskau-Korrespondent für die ZEIT über die Länder der früheren Sowjetunion.
ZEIT-Analyse zu Robert Littell: »Die kalte Legende«
von Johannes VoswinkelDer Wagen, ein schwarzer Mercedes 600, wie ihn auch Tsvetan Ugor-Shilow fuhr, wartete neben der Repräsentanz von LogoWAS. Aus dem Haus kam ein kleiner Mann mit einer Halbglatze und setzte sich auf die Rückbank. Es war der 7. Juni 1994, 17.10 Uhr, in Moskau, uliza Nowokusnezkaja Nummer 40. Als der Wagen durch das Tor auf die Straße rollte, durchschoss ihn der Lichtblitz einer Explosion. Verbrecher hatten eine Bombe in einem geparkten Auto ferngezündet. Der Fahrer wurde enthauptet, der Leibwächter neben ihm verlor ein Auge. Der Passagier mit der Halbglatze, dem die Bombe galt, rettete sich mit rauchender Kleidung und Brandwunden an Gesicht, Hals und Händen aus dem Wrack. Die folgenden Monate sollte er sich in einer Schweizer Klinik auskurieren. Es war der 73. Bombenanschlag im Jahresverlauf. Sprengstoff gehörte damals in Moskau zu den bevorzugten Mitteln geschäftlicher Auseinandersetzungen.
Das Attentat traf einen Mann, der das System der maßlosen Bereicherung und politischen Durchstecherei im nachsowjetischen Chaos idealtypisch verkörpert: Boris Beresowski, Jahrgang 1946. Wenn es jemanden gab, für den der Begriff Oligarch wie maßgeschneidert scheint, dann war es der Mathematiker und frühere Sowjetwissenschaftler. Er mag weniger grausam gehandelt haben als Ugor-Shilow, mit dem sich der Ex-CIA-Agent und Privatdetektiv Martin Odum im Roman abkämpft. Ähnlich skrupellos war er sicherlich. […] -
Ross Thomas: Am Rand der Welt
Die Philippinen, 1986: Kurz nach dem Ende des Marcos-Regimes soll Terrorismus-Experte Booth Stallings im Auftrag eines amerikanischen Wirtschaftskonsortiums einen philippinischen Guerillaführer mit fünf Millionen Dollar in den Ruhestand zwingen Doch warum soll er dafür ein so hohes Honorar bekommen? Stallings, der den Guerillero Jahrzehnte zuvor im Zweiten Weltkrieg kennengelernt hat, zweifelt an den lauteren Absichten seiner Auftraggeber. Und fasst den Entschluss, die offensichtlich unsauberen Millionen mit der kompetenten Unterstützung von Hochstapler Maurice »Otherguy« Overby und den Glücksrittern Artie Wu und Quincy Durant selber zu nutzen.
Der Autor
Ross Thomas wurde 1926 in Oklahoma geboren. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Soldat der US-Armee auf den Philippinen, anschließend begann er eine Karriere als Journalist, die ihn u. a. nach Bonn und Frankfurt am Main führte. Schon für seinen ersten Politthriller »Kälter als der Kalte Krieg« erhielt er den renommierten Edgar Allan Poe Award. Ross Thomas starb 1995 in Santa Monica.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Thomas Wörtche:
Ross Thomas entlarvt auch in diesem Politthriller die Hintergründe des amerikanischen Politikbetriebs und zeigt, wie stabile Verhältnisse auf den Philippinen hintertrieben werden, weil sie entgegen allen Lippenbekenntnissen vielleicht gar nicht im Interesse der US-Regierung sind.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Thomas Wörtche Roman und Realität in »Am Rand der Welt« und beleuchtet die Hintergründe der politischen Situation auf den Philippinen.
Der ZEIT-Autor
Thomas Wörtche wurde 1954 in Mannheim geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Bochum und Konstanz. Er arbeitet als freier Publizist und Literaturkritiker für Radio, Print- und Online-Medien und ist ein intimer Kenner vor allem der internationalen Kriminalliteratur.
ZEIT-Analyse zu Ross Thomas: »Am Rand der Welt«
von Thomas WörtcheViele Politthriller spielen vor dem Hintergrund geschichtlich bewegter Zeiten. Manche Politthriller spielen mit den realen Gegebenheiten von Ort und Zeit. „Am Rand der Welt“ oder, umgangssprachlich-salopper, „Out on the Rim“ (so der Originaltitel) von Ross Thomas ist ein Musterbeispiel für Letzteres.
Die Gegenwart, die erzählte Zeit, ist penibel definiert: Der Roman spielt vom 15. März 1986, 15 Uhr bis zum 16. Mai 1986, 12.45 Uhr. In dieser Zeitspanne versuchen die fünf „Helden“, die mehr oder weniger liebenswerten Gauner Booth Stallings, Otherguy Overby, Georgia Blue, Artie Wu und Quincy Durant, fünf Millionen US-Dollar in ihren Besitz zu bringen. Fünf Millionen Dollar, die angeblich von einer Gruppe amerikanischer „Investoren“ bezahlt werden, um einem alten kommunistischen Guerillaführer auf den Philippinen den Ruhestand in Hongkong zu finanzieren. Man will − so heißt es − den Rücken für neue Investitionen frei haben, nachdem der Diktator Ferdinand E. Marcos am 26. Februar 1986 endlich von US-Hubschraubern ins Exil geflogen worden ist. Corazón Aquino, die Lieblingskandidatin des „Parlaments der Straße“, eines breiten Oppositionsbündnisses, wird daraufhin Präsidentin. Sie ist die Witwe von Benigno „Ninoy“ Aquino, einem alten Rivalen von Marcos, den dieser mit sanfter Unterstützung der CIA 1983 hatte ermorden lassen, denn die Reagan-Administration ... aber halt! […]
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Brian Moore: Hetzjagd
Frankreich: 44 Jahre lang hat sich der Kriegsverbrecher Pierre Brossard der gerechten Strafe entziehen können. Zwar wurde er 1945 vor Gericht wegen Kollaboration mit den Nazis verurteilt, vom Staatspräsidenten aber später skandalöserweise begnadigt. Konspirative Kleriker und Politiker schützen und finanzieren den inzwischen 70-Jährigen. Und während andere Taten nach 40 Jahren verjähren, gilt dies nicht für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Verrat trifft den Verräter, und eine gnadenlose Jagd quer durch Südfrankreich beginnt.
Der Autor
Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente im Zweiten Weltkrieg als britischer Soldat in Nordafrika und war von 1946 bis 1947 UN-Beauftragter in Polen, wo er begann, Reportagen zu schreiben. Er wanderte zunächst nach Kanada aus und ließ sich 1959 in Kalifornien nieder. Für seine insgesamt 19 Romane erhielt er zahlreiche Literaturpreise wie den Prix littéraire du Québec (1958) oder den Hughes Irish Fiction Award (1988). Moore starb 1999 in Malibu.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Joachim Fritz-Vannahme:
Brian Moore, der hier Gerechtigkeit und Rache, Schuld und Sühne in einem packenden und meisterlichen Roman verhandelt, deckt jenes labyrinthische Minenfeld auf, das zum Erbe Nachkriegsfrankreichs gehört.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Joachim Fritz-Vannahme Roman und Realität in »Hetzjagd« und zeigt die historischen und politischen Hintergründe der Epoche auf.
Der ZEIT-Autor
Joachim Fritz-Vannahme wurde 1955 in Halle geboren. Er studierte Geschichte, Germanistik und Politik in Freiburg im Breisgau. Für die »Badische Zeitung« berichtete er zehn Jahre lang aus Frankreich, ab 1988 für die ZEIT als Korrespondent aus Paris, Bonn und Brüssel. Später wurde er bei der ZEIT Leiter der Ressorts Wissen und Politik und Mitglied der Chefredaktion. Seit 2007 leitet er das Europa-Programm der Bertelsmann Stiftung; von 2001 bis 2009 war er Mitglied des Deutsch-Französischen Kulturrates.
ZEIT-Analyse zu Brian Moore: »Hetzjagd«
von Joachim Fritz-VannahmePierre Brossard hetzt wie sein historisches Vorbild Paul Touvier jahrzehntelang quer durch Frankreich, immer auf der Flucht, immer im Versteck, hier ein Priorat, da ein Kloster, mal bei den Karmelitern, mal bei den Benediktinern. Er wird gedeckt von erzkonservativen Klerikern und traditionalistischen Laien. Im Roman konspirieren sie unter dem Namen Chevaliers de Sainte-Marie, in Wirklichkeit hießen sie Chevaliers de Notre-Dame, was ja nur ein anderer Name für die heilige Maria ist.
Der Brite Brian Moore ist ein vorzüglicher Kenner der französischen Geschichte. In seinem Roman „Hetzjagd“ führt er uns in die späten achtziger Jahre, als François Mitterrand Präsident war und Frankreich sich, getrieben durch den Prozess gegen den SS-Offizier und Lyoner Gestapo-Chef Klaus Barbie, über seine Geschichte beugte. Moore weiß mithilfe klug eingesetzter Dialoge die années noires − die finstere Zeit nach der katastrophalen französischen Niederlage von 1940 − aufleben zu lassen. Frankreich war damals dreigeteilt: Der Norden stand unter deutscher Besatzung, das Elsass und Lothringen wurden annektiert, und im Süden herrschte das konservativ-autoritäre Vichy-Regime des greisen Marschalls Philippe Pétain, benannt nach einem Kurbad in der Auvergne, wo dessen Regierung saß. Diese beiden Epochen, die vierziger und die achtziger Jahre, bilden den Rahmen für Moores Politthriller „Hetzjagd“. […]
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Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals
Namibia: Im schwer gesicherten Windhuker Nobelviertel Ludwigsdorf wird ein Mann auf seinem Grundstück erschossen. Mit diesem Mord beginnt − fast zwei Jahrzehnte nach der Ermordung des SWAPO-Anwalts Anton Lubowski 1989 − eine Attentatsserie, der nach und nach die damaligen Täter vom südafrikanischen Geheimdienst zum Opfer fallen. Die junge Windhuker Kriminalpolizistin Clemencia Garises ermittelt in Kreisen, in denen die erbitterten Kämpfe aus der Zeit der Apartheid noch allzu lebendig sind.
Der Autor
Bernhard Jaumann wurde 1957 in Augsburg geboren. Er studierte in München und war zehn Jahre lang Lehrer für Deutsch, Geschichte und Italienisch in Bad Aibling. Nach längeren Aufenthalten in Italien, Australien und Mexiko-Stadt lebt er zurzeit in Windhuk, Namibia. Jaumann wurde bereits mehrfach mit renommierten Krimi-Preisen ausgezeichnet; für »Die Stunde des Schakals« erhielt er den Deutschen Krimipreis 2011.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autorin Andrea Jeska:
Bernhard Jaumann nimmt sich des bis heute nicht geklärten Mordes an einer Schlüsselfigur des namibischen Freiheitskampfes an. Wo die Justiz gescheitert ist und weitere Aufklärung wohl auch seitens der Politik nicht gewünscht war, erzählt Jaumann die Geschichte weiter, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autorin Andrea Jeska Roman und Realität in »Die Stunde des Schakals« und erklärt die Hintergründe der politischen Realität in Namibia.
Die ZEIT-Autorin
Andrea Jeska, geboren 1964 in Bremerhaven und aufgewachsen in Flensburg, lebt nach Stationen in Virginia und Tokio mit ihren Töchtern im Herzogtum Lauenburg. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie am liebsten über Afrika.
ZEIT-Analyse zu Bernhard Jaumann: »Die Stunde des Schakals«
von Andrea JeskaAm 26. April 2010 verlor die Familie Lubowski die letzte Hoffnung, die Mörder ihres Sohnes, Ehemanns und Vaters jemals vor Gericht zu sehen. Die Anklagebehörde von Südafrika ließ mitteilen, der Fall Anton Lubowski werde nicht erneut aufgegriffen und es werde keine Anklage gegen die mutmaßlichen Mörder erhoben. Das war das vorläufige Schlusskapitel in einem langen Kampf um Gerechtigkeit. Der Fall Lubowski, ließ die Ehefrau des Ermordeten danach mitteilen, könne jetzt nur dann noch gelöst werden, wenn jemand bereit sei, auszusagen, was damals, am 12. September 1989, wirklich geschah.
23 Jahre lang haben die Lubowskis die Hoffnung auf Gerechtigkeit aufrechterhalten, und ebenso lange fand sich weder in Namibia noch in Südafrika − dem Land, aus dem die mutmaßlichen Mörder kommen − eine Instanz, die sich verantwortlich fühlte. An-ton Lubowskis Tod, so scheint es, soll für immer ungesühnt bleiben. Jedes Jahr, das seither vergangen ist, ist ein Jahr des weiteren Vergessens. Die junge Generation Namibias kennt kaum noch den Namen des Mannes, der sich als einer der ersten Weißen der namibischen Freiheitsbewegung Swapo anschloss und für diesen Schritt mit seinem Leben bezahlte. […] -
Jenny Siler: Verschärftes Verhör
Kat Caldwell hat als Angehörige der US-Armee Gefangene im Militärgefängnis Bagram in Afghanistan verhört. Sie erhält den Befehl, einen ehemaligen Häftling zu finden, der jetzt Kontakt zu Terroristen haben soll. Doch als ein Soldat ermordet wird, der zum zweifelhaften Tod eines Häftlings in Bagram aussagen wollte, schöpft Kat Verdacht: Geht es bei ihrem Auftrag in Wahrheit um die Vertuschung von Folter und die Beseitigung eines unliebsamen Zeugen?
Die Autorin
Jenny Siler wurde 1971 in New Jersey geboren und ist in Montana aufgewachsen. Sie brach ihr Studium an der Columbia University in New York ab und jobbte in Europa und in Key West, bevor sie nach Seattle zog. Dort begann sie zu schreiben und veröffentlichte 1998 ihren ersten Roman. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Portland, Maine.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Ulrich Ladurner:
Jenny Silers Roman führt auf souveräne Weise durch das dunkle, düstere Jahrzehnt des Krieges in Afghanistan. Sie schildert darin die Verwicklung einer Supermacht in einen Kampf, auf den sie nicht vorbereitet war – und der sie in moralische Abgründe führte, die uns schaudern machen.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Ulrich Ladurner Roman und Realität in »Verschäftes Vehör« und erklärt den Ursprung und die Hintergründe des Krieges in Afghanistan.
Der ZEIT-Autor
Ulrich Ladurner wurde 1962 in Meran geboren. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Innsbruck. Seit 1999 arbeitet er als Auslandsredakteur bei der ZEIT.
ZEIT-Analyse zu Jenny Siler: »Verschärftes Verhör«
von Ulrich LadurnerAm 11. September 2001 rasten zwei Passagierflugzeuge in die Zwillingstürme von New York, ein weiteres krachte in die Außenmauern des Pentagon, und ein viertes stürzte über Pennsylvania ab. Insgesamt starben mehr als 3.000 Menschen. Die USA fassten dies als Kriegserklärung auf. Doch war es kein Krieg im herkömmlichen Sinn, denn der Angriff ging nicht von einem Staat aus: Die Entführer der Passagierflugzeuge gehörten einer Organisation namens Al-Kaida an. Bis zum 11. September war der Name Al-Kaida nur Terrorexperten geläufig. Nach diesem Datum war Al-Kaida weltweit bekannt.
Mit wachsendem Entsetzen und Staunen erkannte die Öffentlichkeit, dass diese Terrororganisation nicht nur den spektakulären Massenmord in New York und Washington begangen hatte. Sie mordete und tötete schon seit vielen Jahren. Eine Blutspur zog sich quer über den Globus, von Marokko über Kenia, Saudi-Arabien und den Jemen bis nach Pakistan – und nun hatte der Terror in den USA zugeschlagen. Al-Kaida hatte Tausende Männer zu Guerillakämpfern ausgebildet, sie hatte Selbstmordattentäter indoktriniert, sie verfügte über Finanzexperten, die riesige Summen auf dem globalen Geldmarkt verschieben konnten, in ihren Reihen gab es Computerspezialisten ebenso wie Sprengstoffexperten, sie hatte eine globale Präsenz in rund 40 Ländern der Welt. Ägypter, Libyer, Pakistaner, Iraker, Afghanen, aber auch Bürger europäischer Staaten kämpften in ihren Reihen. Al-Kaida war die Internationale des islamistischen Terrors. […]
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Eric Ambler: Anlass zur Unruhe
Mailand 1937, kurz vor dem Militärpakt Mussolini-Italiens mit Hitler-Deutschland, dem sogenannten Stahlpakt. Eine englische Maschinenfabrik bietet dem arbeitslosen Ingenieur Nicholas Marlow an, ihre Zweigniederlassung in Mailand zu übernehmen. Marlow weiß zwar von der Bedeutung der Maschinen für die Rüstungsindustrie, versucht aber, die Konsequenzen zu ignorieren und redlich zu arbeiten. Von einer Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten verschiedener Länder will er nichts wissen, so lukrativ sie auch wäre. Doch er kann sich der Politik nicht entziehen und wird schließlich zum Spielball der Agenten. Bis er sich nicht mehr dumm stellt und den Spieß umdreht.
Der Autor
Eric Ambler, geboren 1909 als Sohn eines Schauspielerpaares in London, studierte Maschinenbau und arbeitete zunächst als Werbetexter. In den dreißiger Jahren schrieb er seine ersten Agentenromane. Im Zweiten Weltkrieg war er Artillerist, dann Produktionsleiter für Lehrfilme in der britischen Armee. Nach dem Krieg arbeitete er u. a. als Drehbuchautor und Produzent und erhielt für drei seiner Bücher den renommierten Edgar Allan Poe Award. Er starb 1998 in London.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autor Thomas Wörtche:
Eric Ambler kann unangefochten als Schöpfer des Politthrillers und Vorbild für alle Nachfolger in diesem Genre gelten. Das Verweben von komplexer Handlung und zeitgeschichtlicher Analyse – hier die des Verhältnisses von Italien zu Deutschland im Faschismus – beherrscht er meisterhaft.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autor Thomas Wörtche Roman und Realität in »Anlass zur Unruhe« und zeigt die historischen und politischen Hintergründe der Epoche auf.
Der ZEIT-Autor
Thomas Wörtche wurde 1954 in Mannheim geboren und studierte Germanistik und Philosophie in Bochum und Konstanz. Er arbeitet als freier Publizist und Literaturkritiker für Radio, Print- und Online-Medien und ist ein intimer Kenner vor allem der internationalen Kriminalliteratur.
ZEIT-Analyse zu Eric Ambler: »Anlass zur Unruhe«
von Thomas Wörtche»Ich kenne […] keine andere so korrekte Analyse des Verhältnisses von Hitler-Deutschland zu Mussolini-Italien aus dieser Zeit wie die in den Roman »Anlass zur Unruhe« eingeschlossene. In seinem konkreten Erzählausschnitt ist dieser Roman ein Bericht über das politische Klima und über die politischen Beziehungen von Deutschland zu Italien kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs«, so schwärmte 1975 Helmut Heißenbüttel in einem viel zitierten Aufsatz über Eric Ambler.
Natürlich möchte man Heißenbüttel sofort recht geben. Ambler, cum grano salis der Gründervater und immer noch die maßstabsetzende Autorität für den »modernen“ Politthriller, hatte schon in seiner ersten Schaffensperiode von 1935 bis 1941 mit sechs Romanen (»Der dunkle Grenzbezirk«, »Ungewöhnliche Gefahr«, »Nachruf auf einen Spion«, »Anlass zur Unruhe«, »Die Maske des Dimitrios« und »Die Angst reist mit«) und ein paar Kurzgeschichten (z. B. »Die Armee der Schatten«, 1939) ein großartiges Porträt Europas am Vorabend des Zweiten Weltkriegs geliefert. Dass die Zeitläufte auf eine große Katastrophe hinstrebten, daran ließ Ambler bereits in seinem allerersten Politthriller »Der dunkle Grenzbezirk«, geschrieben 1935, veröffentlicht 1936, keinen Zweifel. Wie genau diese Katastrophe aussehen würde, konnte allerdings selbst die scharfsinnigste politische Prognose nicht definitiv voraussagen − genauso wenig wie zwei Jahre später, 1937, in dem Jahr, in dem »Anlass zur Unruhe« spielt. […] -
Graham Greene: Unser Mann in Havanna
Havanna, kurz vor der Machtergreifung Fidel Castros: Der englische Kaufmann James Wormold ist alles andere als ein Abenteurer. Er verkauft Staubsauger und möchte die Zukunft seiner anspruchsvollen Tochter sichern. Halb aus Naivität, halb aus Geldnot lässt er sich vom britischen Geheimdienst anwerben − für ihn eine vermeintlich sichere Einkommensquelle. Doch Wormold spielt mit dem Feuer und setzt sein Leben und das seiner Freunde aufs Spiel.
Der Autor
Graham Greene wurde 1904 in Berkhampstead, Hertfordshire, geboren. Nach seinem Studium der Geschichte in Oxford arbeitete er zunächst bei der »Times« in London, danach als Filmkritiker beim »Spectator«. Die großen Reisen, die er unternahm − u. a. nach Westafrika und Asien − wurden auch zum Fundus für seine schriftstellerische Tätigkeit. Er wurde mehrmals als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt und zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Greene starb 1991 in Genf.
Mit einer Analyse von ZEIT-Autorin Karin Ceballos Betancur:
Graham Greene hat mit diesem Roman Klassikerstatus erreicht: Obwohl eigentlich eine Persiflage des Agententhrillers, zielt er bei allem Humor doch ins Herz des Konflikts zwischen Gut und Böse, in den Abgrund, der sich zwischen den guten Absichten Wormolds und ihren bösen Konsequenzen öffnet.
In einem exklusiven Anhang zum Buch erläutert ZEIT-Autorin Karin Ceballos Betancur Roman und Realität in »Unser Mann in Havanna« und erklärt die Hintergründe der politischen Situation Kubas in den fünfziger Jahren.
Der ZEIT-Autor
Karin Ceballos Betancur wurde 1972 in Frankfurt/Main geboren, wo sie später auch Germanistik, Lateinamerikanistik und Öffentliches Recht studierte. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt und Hamburg als freie Autorin, seit 2007 vor allem für die ZEIT.
ZEIT-Analyse zu Graham Greene: »Unser Mann in Havanna«
von Karin Ceballos BetancurAls am 1. Januar 1959 die »Barbudos«, Fidel Castros Guerilleros, in der Hauptstadt einzogen, war Havanna ein Meer aus wogenden Fahnen. Noch während der Silvester-nacht war der Diktator Fulgencio Batista ins Exil geflohen, zusammen mit seinem Polizeichef Esteban Ventura. Und ganz Kuba feierte das Ende ihres blutigen Terrorregimes. Es ist davon auszugehen, dass die zahllosen Kasinos und Bordelle, die unter Batistas korrupter Herrschaft überall in der Stadt entstanden waren, an diesem Tag geschlossen blieben. Weil selbst die Croupiers und die Huren auf die Straße gingen, um die bärtigen Befreier zu feiern.
Als an jenem 1. Januar 1959 in Kuba die Revolution triumphierte, stand in Europa bereits seit Monaten der neue Roman eines britischen Schriftstellers in den Schaufenstern der Buchhandlungen, eine Geheimdienst-Kriminalkomödie. Ihr Titel: »Unser Mann in Havanna«, ihr Autor: Graham Greene. Ursprünglich hatte er als Schauplatz für die Handlung das estnische Tallinn, als ihren historischen Rahmen den Vorabend des Zweiten Weltkriegs vorgesehen, wie Greene in seinen Memoiren »Ways Of Escape« schreibt. Doch dann erschien ihm das Szenario zu düster für ein satirisches Werk. […]














