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ZEIT-Jubiläumsedition »Type Face«

Dinge gibt es viele auf der Erde, gewachsene und von Menschen geschaffene. Aber, sagt der Bildhauer Tony Cragg, es gibt so unendlich viel mehr Gegenstände, die noch nicht existieren. In deren Reich begibt er sich. Hier schafft er seine Skulpturen. Viele sind von der Natur inspiriert, manche erinnern an Figuren der frühen Menschheit, aus manchen schaut die Betrachtenden ein Gesicht, ein Profil an: alle sind unverkennbar Cragg. Kunst ist für ihn sowohl ein geschaffenes Werk, Ergebnis Hunderter Entscheidungen, als auch ein Hinweis auf das, was ganz anders sein könnte: Kunst als Botin radikaler Geistesfreiheit.

Anlässlich des 75. Geburtstags der ZEIT hat Tony Cragg die Skulptur »Type Face« (deutsch: Schriftbild, Schriftsatz) geschaffen, bei der journalistische Tradition auf digitale Zukunft trifft: In die Bronze ist Blei aus alten Drucksätzen von Zeitungen eingeschmolzen, und so archaisch die Form anmutet, ist in ihre bronzene Oberfläche der Binärcode 0 und 1 eingeprägt.

Mit der Haut seiner Plastiken beschäftigt sich Cragg besonders: Alle Oberflächen, ob von Menschen, Gegenständen, Stoffen, Bäumen oder Pflanzen, resultieren aus ihren physikalischen Eigenschaften. Menschen nehmen zunächst die Oberfläche eines Objektes wahr, deuten sie, beurteilen sie. Erst dann verstehen sie sukzessive, was dahinter liegt, darunter. Craggs Werke geben dabei oft Rätsel auf, und je länger man ein Werk betrachtet, desto mehr erschließt sich die Einheit von Oberfläche und Kern.

Seine Skulpturen entstehen in einem handwerklichen Prozess. Er zeichnet zunächst Ideen, entwickelt eine aus der anderen. Aus den Zeichnungen ertasten und bilden seine Hände dann das Modell, nach dem das Werk gegossen wird. Als Bildhauer sei er ganz dem Material verbunden. Der Engländer, der seit den 1970er-Jahren in Deutschland lebt, setzt in beiden Sprachen seine Worte präzise: »Materie« trägt das lateinische »mater«, Mutter, in sich, das bergende, gebende Prinzip. Als Bildhauer, als sculptor, bliebe ihm nichts anderes übrig, als ein »Materialist« zu sein. Sosehr er von der Erde – er arbeitet mit Ton, Metall und Holz – zehrt, so gut kann er sich von ihr lösen. Tony Cragg sieht sich in der Tradition der Kunst, die Grenzen der Dinge überwindet: Dichter, sagt er, hätten längst vor dem ersten Menschen den Mond erreicht, hätten sich Jahrhunderte vor den Raumsonden durch das All bewegt. Ihr Schaffensraum ist offen, frei von jedem Zweck. In diesem Geist ist auch die neue Skulptur »Type Face« für DIE ZEIT entstanden.

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5 von 5 Sternen
Unglaublich poetisch
Unglaublich poetisch. Schön das Tony Cragg so etwas für die Die Zeit gemacht hat mit so viel Feinsinn.
Sehr gute Qualität, viel zu billig, ist ohne einen Kratzer angekommen
super
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