
An Hochschulen gibt es Pflichtfächer und es gibt Wahlkurse. Wer Betriebswirtschaft studiert, kommt an Bilanzierung nicht vorbei; im Medizinstudium gehört Anatomie dazu. Wahlkurse hingegen folgen dem Interesse: Entrepreneurship für die einen, Consulting für die anderen. Übertragen wir dieses Prinzip von der Lehre auf die Organisation Hochschule selbst, scheint es lange klar gewesen zu sein: Lehre, Forschung und Transfer – das sind die Pflichtfächer, also Themen, die für jede Hochschule relevant sind. Und Change? Eher ein Wahlkurs. Einer für besonders ambitionierte, innovative Hochschulen. Für andere galt: Man kommt auch ohne größere Veränderungen ganz gut durch.
Der Veränderungsdruck auf Hochschulen nimmt mittlerweile jedoch massiv zu. Durch KI, Nachhaltigkeit und globale Verschiebungen ändern sich die Berufsbilder tiefgreifend, für die die Hochschulen ausbilden. Hochschulen sind gefordert, ihre ausgeprägte Fachkultur mit der Ausbildung von »Future Skills« produktiv zu verbinden. KI ist zudem nicht nur in Lehre und Forschung relevant, sondern auch für die Hochschule selbst, beispielsweise in Verwaltungsprozessen. Und wäre das nicht schon genug, sinken die Studierendenzahlen und die Finanzmittel werden knapper.
Change ist für Hochschulen also kein Wahlkurs mehr, sondern zur Pflicht geworden. Veränderungsfähig sind sie durchaus – als eine der ältesten Organisationsformen haben sie das immer wieder bewiesen. Die umfassenden Freiheiten im System eröffnen Gestaltungsräume. Professor*innen können Forschungsschwerpunkte verschieben und Studiengangteams ihre Studiengänge weiterentwickeln. Zugleich begünstigen die Freiheiten aber mikropolitische Dynamiken. Einzelinteressen können Wandel blockieren, strategische Veränderungen werden durch komplexe Gremienstrukturen erschwert. Zudem sind Hochschulen von Statuslogiken und professionsbezogenen Identitäten geprägt, die Veränderungsprozesse komplex machen.
Diese Ausgabe der OrganisationsEntwicklung lädt dazu ein, sich mit Change an Hochschulen intensiver zu beschäftigen. Die Interviews mit dem langjährigen College-Präsidenten und Harvard Gastprofessor Brian Rosenberg sowie mit Cornelia Raue, die die Stiftung Innovation in der Hochschullehre leitet, und die diversen Impulsbeiträge im Heft verdeutlichen Herausforderungen und Möglichkeiten für Wandel. Ausgewählte Fallstudien zeigen konkret wie es gelingt: Durch umfassende Strukturreformen wie an der Hochschule Hamburg oder durch die Gründung von Inkubatoren für neues Arbeiten, wie dem Agility Lab der Universität Stuttgart.
Fest steht: Um die anstehenden disruptiven Veränderungen aktiv zu gestalten, müssen sich Hochschulen umfassender mit ihrerWandelfähigkeit auseinandersetzen: Pflichtfach Change eben.
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen,
herzlichst
Ihr Arjan Kozica
- Ausgabe
- 02/2026
- Erscheinungstermin
- 08.05.2026
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