Schlechtes Image, aber enorm wichtig. Besondere Teamevents habe ich leider nie erlebt – kein Bau eines Floßes, kein gemeinsames Schafehüten, kein Waldhochseilgarten mit den Kolleginnen und Kollegen, kein Escape-Room. Ich kann mich lediglich an zwei Outdoor-Teamevents in meiner mehr als 20-jährigen Berufskarriere erinnern: eine gemeinsame Bootsfahrt und eine Schnitzeljagd. Beides war schön und verbindend – aber es gab dadurch keine nachhaltigen Veränderungen im Team.
Viele haben genau solche Events im Kopf, wenn sie „Teamentwicklung“ hören. Auch eine Menge Führungskräfte können mit dem Begriff wenig anfangen bzw. sehen darin ein weiches „Nice to have“-Thema. Teamentwicklung hat sicherlich ein Imageproblem, weil es zu wenig mit dem Geschäftserfolg in Verbindung gebracht wird. Dabei ist sie alles andere als ein „weiches“ Thema. Sie kann vielmehr ein Hebel für Leistungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit von Organisationen sein.
Wer auf Teams schaut, erkennt in der Regel, dass sich in ihnen Organisation verdichtet. Teamentwicklung greift auch deshalb zu kurz, wenn sie losgelöst vom organisationalen Kontext betrieben wird. Kein Team kann dauerhaft besser arbeiten, als die Strukturen, Prozesse und kulturellen Leitplanken es zulassen. Vertrauen lässt sich nicht moderieren, wenn Anreizsysteme Misstrauen fördern. Selbstorganisation bleibt Fassade, wenn Entscheidungen zentral blockiert werden. Und gute Zusammenarbeit scheitert, wenn Prozesse sie systematisch behindern.
Es braucht meiner Meinung nach deshalb ein anderes Verständnis von Teamentwicklung: nicht als Reparaturmaßnahme für „schwierige Teams“, sondern als Arbeit an der Organisation – entlang konkreter Zusammenarbeit. Teamentwicklung heißt dann beispielsweise, Dynamiken sichtbar und besprechbar zu machen, Führungsbeziehungen anders zu denken, Rollen zu klären, Entscheidungsräume zu definieren und Prozesse arbeitsfähig zu gestalten.
Es lohnt sich, in die Entwicklung von Teams Zeit und Ressourcen zu investieren, schließlich sind sie die wichtigste Wertschöpfungseinheit und der Ort, an dem Organisation jeden Tag Realität wird. Am Ende geht es immer um Zusammenarbeit – in den Teams und in der Organisation – und um die Frage: Wie können wir Zusammenarbeit bestmöglich gestalten?
Jan C. Weilbacher
- Ausgabe
- 01/2026
- Erscheinungstermin
- 10.02.2026
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