Unverzichtbar, aber kein Allheilmittel.
Im Rahmen einer Workshop-Vorbereitung sagte eine Führungskraft einmal zu mir: „Bitte mach nicht so viele Tanz- und Spielübungen.“ Mal davon abgesehen, dass in meinen Workshops niemand tanzen muss, ist die Angst vor dem Spielerischen bei Führungskräften gar nicht so selten. Und das liegt meines Erachtens an zwei Gründen: Einen Zugang zur spielerischen Seite der Persönlichkeit zuzulassen, bedeutet, aus der Komfortzone herauszutreten – und das in einem Raum mit anderen. Das ist unangenehm.
Zudem haben viele Führungskräfte das Vorurteil, dass „spielerische Übungen“ keinerlei Business-Bezug haben und wertvolle Zeit vergeudet wird. Diese Angst kann man jedoch oft durch ein aufklärendes Gespräch im Vorfeld nehmen.
Und doch: „Spielen“ ist eine erste Assoziation, die viele Führungskräfte in den Geschäftsbereichen haben, wenn sie „Methoden und Tools“ hören. Gleichzeitig zeigt sich in anderen Kontexten ein gegenteiliges Bild: Die Bandbreite des Einsatzgebietes von „Methoden und Tools im Change“ ist riesig – und das gilt ebenso für ihre Wahrnehmung. Denn es gibt durchaus Führungskräfte, die von Tools und Methoden ganz begeistert sind, etwa wenn es um Projektmanagement geht.
Methoden und Tools im Change sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Komplexität greifbar zu machen. Gefährlich wird es allerdings, wenn man ihnen zu viel zutraut. Sie sind keine Abkürzung durch den Change: Weder ersetzen sie echte Auseinandersetzung noch schwierige Entscheidungen. Wer sich zu sehr auf sie verlässt, läuft Gefahr, Komplexität nicht zu reduzieren, sondern lediglich zu kaschieren.
Ich merke immer wieder: Methoden und Tools leisten einen wichtigen Beitrag in Veränderungsprozessen – sie bringen Austausch in Gang, geben Struktur und erleichtern die Bearbeitung von Themen. Doch entscheidend ist nicht die Methode, sondern der Mensch, der sie einsetzt. Die Qualität der Begleitung hängt weniger davon ab, welches Tool gewählt wird, sondern wie aufmerksam zugehört wird, wie fein Stimmungen wahrgenommen werden und wie gut jemand einen Raum lesen kann. Das wirksamste „Tool“ im Change sitzt nicht auf dem Methodenkoffer, sondern steht mitten im Raum. Es ist die Beraterin, der Berater – mit Erfahrung, Haltung und der Fähigkeit, Verbindung herzustellen. Methoden können dabei unterstützen. Aber sie entfalten ihre Wirkung erst durch den Menschen, der sie mit Leben füllt
Jan C. Weilbacher
- Ausgabe
- 04/2026
- Erscheinungstermin
- 27.05.2026
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